Wer waren die Nibelungen wirklich?

Die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen

Bauch, Mario

Kurzübersicht

Die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen
ISBN: 978-3-938807-09-5
Veröffentlicht: Juli 2006, 1. . Auflage, Einband: Hardcover, Seiten 642, Format DIN B5, Gewicht 1.35 kg
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Wer waren die Nibelungen wirklich?

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Details

Dass die germanischen Heldensagen auf historischen Ereignissen und Personen basieren, wird heute weitestgehend akzeptiert. Welche geschichtlichen Abläufe und Persönlichkeiten am Prozess der Sagenbildung beteiligt waren, ist jedoch noch umstritten.

Neben Nibelungenlied, Thidrekssaga, Dietrichepen und Waltharius bezieht das vorliegende Buch fast alle anderen germanischen Heldensagen ein, so unter anderem das Kudrunepos, das angelsächsische Beowulfepos sowie die Edda. Das Buch befasst sich somit nicht nur mit den Werken der deutschen, sondern auch mit jenen der englischen und skandinavischen Literatur, welche  später wiederum Grundlagen für Shakespeares Hamlet oder Tolkiens Herr der Ringe bildeten.
Der Autor benennt die wichtigsten historischen Ereignisse, die zur Bildung der einzelnen Sagen geführt haben, und zeigt detailliert auf, wie sich diese Episoden sowie die Biographien der wichtigsten historischen Persönlichkeiten in den Sagen widerspiegeln. Darüber hinaus präsentiert der Autor in diesem Buch erstmals neue Indizien und aussagekräftige Argumente, welche die Entstehung der Bayern klären. In dieser großangelegten Forschungsarbeit wurden größtenteils Originalquellen verwendet, so dass eine Verfälschung durch spätere Sekundärliteratur so gut wie ausgeschlossen ist. Umfangreiche Quellenangaben lassen jeden Schritt und jede Schlussfolgerung genau nachvollziehen. Wichtige Quellen, wie Briefe oder Panegyriken, die bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, sind erstmals im Deutschen wiedergegeben. Das vorliegende Buch ist somit ebenso für Historiker wie für Germanisten interessant.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, wobei sich der erste Teil vor allem mit der fränkischen Sage, der zweite mit der burgundischen und der dritte Teil mit der ostgotischen befasst.

Vorwort 

Das vorliegende Buch ist eine Mischung aus einem historischen und einem literaturwissenschaftlichen Werk.
Trotz der großen Bedeutung der Heldensage für die Literatur aller germanischen Völker, ist es bis jetzt kaum jemanden gelungen, die wirklichen historischen Hintergründe und hiervon ausgehend, die Entwicklung zur Sage aufzuzeigen. Der Grund hierfür dürfte in der zu starken Trennung von Geschichts- und Literaturwissenschaft liegen. Während die Historiker kaum Interesse an den Heldensagen zeigten, kümmerten sich die Literaturwissenschaftler wenig um die Geschichte. Dadurch vergaben sich aber beide Wissenschaften die Möglichkeit, ihre Forschungen zu ergänzen und auf ein größeres Spektrum zu blicken.
Um diesen Zustand zu beenden, wird sich die folgende Arbeit sowohl mit dem breiten Spektrum der Heldensage beschäftigen, als auch so vollständig wie möglich die historischen Ereignisse und das Leben der wichtigsten historischen Personen, die in die Sage Eingang gefunden haben, darstellen. Dabei werde ich durch ständige Querverweise die Wechselbeziehungen zwischen Geschichte und Sage deutlich machen.
Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, stellt sich jedoch die Frage, „Warum beschäftigt man sich überhaupt heute noch mit den alten Überlieferungen?“.
Nun einerseits sind es spannende Geschichten, die zum Teil in hochpoetische Werke gegossen wurden. Andererseits glaube ich, dass der Mensch danach strebt, zum Ursprung zu gelangen. Die Nummer 1 einer Sammlung oder die erste Auflage eines Buches ist immer etwas ganz Besonderes. So verhält es sich auch bei den alten Heldensagen, denn sie sind die ersten geschichtlichen Überlieferungen der Völker. Alles, was wir bis dahin von unseren Vorfahren wissen, stammt aus römischen bzw. griechischen Quellen. Die Sagen jedoch kommen direkt aus dem Volk und wurden dort über Jahrhunderte mündlich weitergegeben. Sie entstanden zu einer Zeit, als es noch gar kein deutsches oder englisches Volk gab, als jedoch der Grundstein für alle heutigen europäischen Völker und Staaten gelegt wurde, zur Völkerwanderungszeit.  
Die eigentliche Völkerwanderungszeit begann im Jahre 375 mit dem Angriff der Hunnen auf das Ostgotenreich und endete im Jahre 568 mit dem Einmarsch der Langobarden in Norditalien. Während dieser Zeit hatte sich das Bild Europas und seiner Völker grundlegend gewandelt. Das Weströmische Reich, das bis dahin die Geschicke Europas bestimmte, hatte aufgehört zu existieren. An seine Stelle waren mehrere germanische Königreiche getreten. Auch die alte Sklavenhalterordnung, die über so viele Jahrhunderte die Grundlage Roms gebildet hatte, war untergegangen und der Feudalismus trat seinen Siegeszug an.
Vor dem Hintergrund all dieser gewaltigen Umwälzungen ist verständlich, dass sich die Ereignisse dieser Zeit tief ins Gedächtnis der Menschen eingegraben haben und über Jahrhunderte weitererzählt wurden.
Ein weiterer Grund, den germanischen Heldensagen auf den Grund zu gehen, ist ihr Missbrauch im Dritten Reich. Schlagwörter wie Nibelungentreue und die Überlegenheit der reinen germanischen Rasse, welche auch aus dem Inzest von Sigmund und Signy abgeleitet wurde, geisterten damals durch die Medien. Durch das Aufzeigen der historischen Hintergründe und der Entwicklung der Sage aber wird das Heranziehen der germanischen Heldensage als Propagandamittel für die ewig Gestrigen unbrauchbar.
In diesem Buch wird deshalb geklärt, wer der starke Siegfried war, wer Brünhild und die rachsüchtige Kriemhild, wer sich hinter dem unheimlichen Hagen von Tronje, hinter dem guten Dietrich von Bern verbirgt und auch, was mit dem Schatz der Nibelungen wirklich geschah.  

Einleitung

Entstanden sind die Heldensagen in der Übergangsepoche zwischen Gentilgesellschaft und der sich herausbildenden Klassengesellschaft des Frühfeudalismus. Sie reihen sich damit nahtlos in die Heldensagen anderer Völker ein. Die Übergangsperiode von der Gentilgesellschaft zum Feudalismus bei den Germanen ist weiterhin gekennzeichnet durch eine epochale Umwälzung, in der das Zeitalter der Antike endete und das Mittelalter begann. Ja man kann sagen, dass hier unser heutiges Europa entstand. Verbunden mit diesem Übergang sind bei den Germanen die Bildung germanischer Staaten und die Entstehung des Königtums. Mit der Schaffung dieses König- und Staatentums wurde auch das Bewusstsein einer Gruppenzusammengehörigkeit geschaffen, das bedeutsame Ereignisse und Persönlichkeiten in ihrem kollektiven Gedächtnis bewahrte.
Die alten Heldensagen waren im gesamten germanischen Sprachraum verbreitet und erfreuten sich hier großer Beliebtheit. Obwohl sich die Geschehnisse größtenteils auf dem Gebiet der Länder des heutigen Deutschlands, Italiens und Frankreichs abspielten, liegen uns auch viele Quellen der Sage aus Skandinavien, England und vor allem aus Island vor.
Die älteste Aufzeichnung eines germanischen Heldenliedes ist das Hildebrandslied, das um 810 von zwei Mönchen in Fulda für das niederdeutsche Sprach- und Missionsgebiet umgearbeitet und auf die Deckblätter eines Kodex in 68 Langzeilen mit Stabreimen niedergeschrieben wurde. Die herausragendsten Werke der Heldensage sind das Nibelungenlied und die Edda aus dem 13. Jahrhundert. Als man beide Werke verfasste, lagen die historischen Ereignisse, die deren Grundlage bildeten, jedoch schon fast siebenhundert Jahre zurück. In der Zwischenzeit hatte sich die Gestalt der Sage unablässig gewandelt. Deshalb liegen uns häufig verschiedene Versionen der Sage vor.
Gerade die skandinavische und deutsche Gestalt der Sage unterscheiden sich in vielen Punkten. Dabei wird oft behauptet, die skandinavische Version wiese eine ältere Form der Sage auf. Man folgert dies auch größtenteils aus der Tatsache, dass in den skandinavischen Überlieferungen noch germanische Götter vorkommen. Dies ist jedoch seit langem eine Fehlannahme. Grund für diesen Irrtum ist die Unkenntnis über die damaligen Verhältnisse in Island und die dadurch entstandene besondere Variante der Heldensage.
Zur Besiedlung Islands selbst gibt es verschiedene Versionen.
Nach dem isländischen Landnahmebuch, das zu Beginn des 13. Jh. entstand, haben um 860 drei wikingische Seefahrer Island unabhängig voneinander entdeckt und dann zu Hause derart die Werbetrommel gerührt, dass hierauf die ersten Siedler folgten und begannen, das karge Eiland zu bewirtschaften
Einer zweiten Version zufolge wurde Island vorwiegend von norwegischen Auswanderern besiedelt. Der Grund ihrer Auswanderung war der Sieg Harald Schönhaars über die anderen norwegischen Teilkönige um 872. Ein Seesieg legte dem jungen König Norwegen zu Füßen (lesenswert „Das Haraldslied“ von Thorbjörn Hornklosi). Jene, die sich nicht dem neuen König unterwerfen wollten, packten ihre sieben Sachen und besiedelten Island.
Um 930 nun traten die mächtigsten Häuptlinge Islands zusammen und es wurde das Althing gegründet. Dies war die gesetzgebende und -sprechende Versammlung der Insel5 Das Althing setzte sich aus 36 Häuptlingen zusammen, welche man Goden nannte und welche die Interessen ihrer Gefolgsleute vertraten.
Um 1000 kam es auf diesem Althing zu einer folgenschweren Entscheidung. Nach einer Auseinandersetzung zwischen Christen und Heiden wurde freiwillig das Christentum angenommen. Da diese Annahme friedlich geschah und nicht von allen Bewohnern mit gleicher Intensität durchgeführt wurde, konnten sich hier so lange die alten Geschichten und Mythen erhalten. Ja mehr noch, sie gingen teilweise sogar eine friedliche Symbiose mit den christlichen Überlieferungen ein. Aber auch neue Geschichten über den klugen Odin, die schöne Freyja, den listigen Loki und den kräftigen Thor wurden erfunden. Dies erklärt auch, weshalb in den isländischen Heldenliedern so selbstverständlich germanische Götter auftreten und eingewoben sind. Allerdings ist dies kein Indiz für das Alter der Überlieferung, zumal auch zur Zeit der historischen Ereignisse fast alle vorkommenden germanischen Könige und Stämme bereits Christen geworden waren. Das Auftauchen germanischer Götter in der Sage ist deshalb lediglich eine skandinavische Zudichtung.
Dass die isländischen Sagen eine ältere Fassung der Sage darstellen, ist somit falsch. Vielmehr bilden sie, wie auch die deutschen Heldensagen, eine eigenständige Abwandlung der ursprünglichen Sage. Meistens steht dabei, im Gegensatz zur bisherigen Meinung, die deutsche Version der Ursprungssage sogar näher. Dies ist leicht nachvollziehbar, da die nordischen Aufzeichnungen nicht jünger als die deutschen sind, aber in einer größeren Entfernung von den Schauplätzen der historischen Ereignisse liegen.
Der Norden hat weiterhin eine viel größere Vermischung der Sagen vorgenommen. Auch die bisherige Meinung, die nordische Version habe viele verloren gegangene Teile der deutschen Sage erhalten, stimmt nicht. Es gibt nicht so viele neue Sagenelemente im Norden. Die auf den ersten Blick neu erscheinenden nordischen Sagenteile sind meistens nur umgestaltete und veränderte Varianten der deutschen bzw. der englischen Überlieferung. Der Norden hat diese oftmals noch mit den Sagen der Nordgermanen angereichert. So haben hier auch die Überlieferungen der Dänen, Norweger und Schweden Eingang gefunden.

Die Sagen selbst handeln hauptsächlich von drei großen Stämmen und deren Königsgeschlechtern:

? den Franken unter dem Geschlecht der Wälsungen
? den Burgunden unter dem Geschlecht der Gibichungen
? den Ostgoten unter dem Geschlecht der Amelungen

In der Sage leben alle Personen zur gleichen Zeit, obwohl zwischen den verschiedenen Ereignissen oft mehrere hundert Jahre liegen.
Diese Gleichzeitigkeit in der Sage konnte nur durch einen Verschmelzungsprozess der Sagen aus den verschiedenen Jahrhunderten erreicht werden, in welchem Personen und Motive wegfielen, umgebildet wurden und neue hinzukamen. Dieser Verschmelzungsprozess ist überhaupt ein markanter Wesenszug der Sage, der aus den ursprünglichen, historischen Begebenheiten vollkommen neue Geschichten konstruierte. Die ersten Berührungspunkte zwischen den Sagen sind oft Namensähnlichkeiten bei Personen und Völkern, die dann den Verschmelzungsprozess einleiteten.
Durch diesen Verschmelzungsprozess entstehen aber auch besondere Schwierigkeiten bei der Findung der ursprünglichen Geschehnisse. Eine Sagenperson vereint häufig viele geschichtliche Personen in sich und auch die Handlungsverläufe werden miteinander vermischt, so dass die ursprünglichen Ereignisse oft kaum noch zu erkennen sind. Aber diese Suche nach diesem Ursprung macht ja gerade den Reiz der Forschung aus.

Eine Eigenheit der germanischen Heldensage ist, dass die Namen aller Mitglieder einer Königsfamilie mit dem gleichen Buchstaben beginnen. So war es für den Zuhörer leicht möglich, die betreffende Gestalt einem bestimmten Kreis zuzuordnen. In der Wirklichkeit war dies nicht unbedingt der Fall. Deshalb hat die Sage oft etwas nachgeholfen, um diese Gleichheit der Anfangsbuchstaben zu erreichen.
König und Volksstamm stimmen in der Sage mit den historischen Grundlagen meistens überein, die Ortsangaben fast nie. Die Erzähler benutzten oft die Heimatorte als bessere Orientierung und als Mittel der Identifikation des Hörers mit dem Sagenstoff. Ebenfalls wurden von den Sagenerzählern auch die jeweiligen kulturellen und modischen Gegebenheiten der gerade herrschenden Epoche entnommen. Sowohl in Deutschland, als auch in Skandinavien wurde die Sage so geschildert, als spielte sie in der gegenwärtigen Zeit und Kultur. So erinnern die Gestalten des Nordens stark an die bäuerliche Welt der Wikinger, wohingegen die deutschen Sagenhelden sich in einem ritterlichen, höfischen Kreis bewegen.
An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf verwiesen, dass die Sagen keine Geschichtsbücher sind. Die Trennung zwischen Geschichte und Sage wird ähnlich dem deutschen Abstraktionsprinzip in der Juristerei aber leider nicht immer beachtet. So steht noch heute in den meisten Geschichtsbüchern, die Burgunder errichteten ein Reich um Worms, obwohl die Hauptstadt der Burgunder wohl nie Worms war. Man hat diese Tatsache, wie auch viele weitere Tatsachen, einfach aus dem Nibelungenlied entnommen. Besonders Heimatforscher neigen oft dazu, diese Trennung zu missachten, um ihre Stadt bzw. ihre Heimatgegend aufzuwerten.

Bevor nun die eigentlichen Ausführungen beginnen, werde ich noch einmal in knappen Sätzen die Sagen erzählen, da sie die Grundlage für die literarische Forschung bilden und der eine oder andere Leser diese vielleicht nicht kennt. Zuerst beginne ich mit der deutschen Gestalt der Sage, dann folgt die skandinavische Version.
Schlusswort

In den Heldensagen haben sich die alten Stammessagen der Germanen erhalten, als sich die germanischen Stämme aufmachten, ein Königtum zu entwickeln sowie begannen, Staaten zu gründen und als sich bei den Germanen die Stammesgesellschaft zur Feudalgesellschaft entwickelte.
In den Sagen sind die wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten jener Zeit erhalten. Nicht unbedeutende Herrscher, sondern die bedeutenden, wie Chlodwig, Chrothechildis, Brunichildis, Theudebert, Attila, Aetius, Gundobad, Odoaker und Theoderich sind hier zu finden. Im Gegensatz zu den Nordgermanen besitzen wir im Süden verhältnismäßig viele Quellen, um die damaligen historischen Ereignisse zumindest grob nachzeichnen zu können, so dass perspektivisch eine genauere Nachvollziehbarkeit der Entstehung vor allem der Sagen der südlichen Germanen, wozu im Deutschen außer dem Kudrunepos sämtliche Heldenepen zu zählen sind, ohne Weiteres möglich sein dürfte.
Die ersten Versionen der Sagen bilden einzelne Episoden der Stammesüberlieferung, welche wir bereits unter anderem bei Gregor von Tours, Fredegar, der Liber historiae francorum, Jordanis und Paulus Diaconus sehr schön aufgezeichnet sehen.
Aus diesen Episoden entwickelten sich dann in dem bereits beschriebenen Prozess des Weitererzählens, Veränderns und Verschmelzens, die Heldenepen und -lieder, welche uns dann zum größten Teil im 13. Jh. gegenübertreten.

Hier nun will ich mein Werk über die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen schließen. Ich hoffe, dass es genügend Anregungen für künftige Forschungen bieten wird und die historischen Gestalten und Ereignisse hinter den Heldensagen etwas erhellt hat.

Inhaltsverzeichnis
(Kurzübersicht)

Einleitung 42
Kurzabriss der germanischen Sagen 45
1. Teil: Die Franken
Von Siegfried, dem strahlenden Helden 65
I. Baldur, Arminius und Sigibert 66
II. Die Sigmundsage 69
III. Siegfrieds Jugendtaten 194
IV. Von Chrothechildis zu Kriemhild 213
V. Die Geschichte von Sigibert und Brunichildis 220
VI. Chilperich und Fredigundis 238
VII. Der Kampf zwischen Brunichildis und Fredigundis 250
VIII. Der Untergang von Sigiberts Geschlecht 263
IX. Endbetrachtungen 269

2. Teil: Burgunder und Westgoten
Von Gunther, Hagen, Etzel und einem
gar schrecklichen Gemetzel
273
I. Das Burgunderreich am Rhein 274
II. Die Hunnen 279
III. Die Burgunderkatastrophe 288
IV. Attila, die Geisel Gottes 293
V. Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 304
VI. Attilas Tod 315
VII. Hagen von Tronje 321
VIII. Übersicht über die Sagenkomplexe 402
IX. Zeit und Dichter des Nibelungenliedes 414
X. Heuslers Theorie 434
XI. Weitere Gestalten der Nibelungensage 436
3. Teil: Die Ostgoten
Über Dietrich von Bern, den tugendreichen Ritter
443
I. Von den Anfängen bis zum Reiche Ermanarichs 445
II. Das Reich Ermanarichs 452
III. Die weitere Geschichte der Ost- und Westgoten
bis zum Tode Athanarichs 459
IV. Die Geschichte der Ostgoten bis zur Wiedervereinigung 469
V. Die Hervarar-Saga und das Hunnenschlachtlied 476
VI. Die Geschichte der Ostgoten von der Schlacht auf den
Katalaunischen Feldern bis zur Ansiedlung in Pannonien 489
VII. Die Geschichte der Ostgoten in Pannonien bis
zur Herrschaft Theoderichs 495
VIII. Heime 500
IX. Das Eckenlied 505
X. Theoderichs Jugendtaten 511
XI. Die weitere Geschichte Odoakers bis zum Angriff der Ostgoten 525
XII. Odoaker und die Harlunge 532
XIII. Theoderichs und Odoakers Kampf um Italien 540
XIV. Die Ereignisse bis zu Theoderichs Tod 549
XV. Das Ostgotenreich bis zum Ende Witiges 568
XVI. Das Ostgotenreich bis zu seinem Untergang 587
XVII. Der ungetreue Sibech 602
XVIII. Das Wielandslied 605
XIX. Die Entstehung der Bayern 611
XX. König Rother 626

Schlusswort 631

Literaturverzeichnis
633

DER AUTOR:

Mario Bauch, geboren 1971 in Crimmitschau, ist Rechtsanwalt in Grimmen / Mecklenburg – Vorpommern. 1990 absolviert er das Abitur an der ABF in Halle. Im Herbst 1990 beginnt er ein Studium der Nordeuropawissenschaften an der Ernst – Moritz – Arndt – Universität in Greifswald mit Schwerpunkt Dänemark. Im Studium werden bereits erste Vorarbeiten zur Arbeit über die germanischen Heldensagen begonnen. Im Februar 1991 Wechsel zum Studium der Rechtswissenschaften und Absolvierung des ersten Staatsexamens 1997. 1997 bis 1998 Zivildienst an der Johanna – Odebrecht – Stiftung in Greifswald.
Während dieser Zeit beginnt der Autor seine Arbeit über die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen, welche mit Unterstützung von Dr. Immanuel Musäus, der am Institut für Altertumswissenschaften der Ernst – Moritz – Arndt – Universität in Greifswald tätig ist, fortgeführt werden.
1998 bis 2000 Referendariat und Absolvierung des zweiten Staatsexamens und seit 2001 Beginn der Rechtsanwaltstätigkeit. 2005 kommt die Arbeit über die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen zum Abschluss.
(Link zur Webseite des Autors: http://www.batflight.de)
Links zum Thema:
http://www.nibelungenlied.com
http://www.nibelungenlied-gesellschaft.de
http://www.eichfelder.de
http://www.mediaevum.de/autoren/nibelungenlied.htm
http://www.poechlarn.at/nibelungenlied.htm
http://www.thidrekssaga-forum.de/
http://www.uni-greifswald.de/~altertum/musaeus.htm

 

Erschienene Rezensionen

 

Nicht nur die Archäologie, auch die Bau-, Kunst- und andere Wissenschaften sind weit besser dran als die Geistes- und Sozialwissenschaften: Wenn ein Archäologe bei einem Fundstück nicht ganz sicher ist, aus welcher Zeit es stammt, überläßt er es einer naturwissenschaftlichen Bestimmungsmethode. Über eine vergleichbare Hilfe verfügen Literaturwissenschaftler nicht, wenn sie sich in der verwirrenden Sagenwelt einen endgültigen Durchblick verschaffen wollen. Sagen sind gewachsene Mythen, an denen viele mitgewirkt haben. Sowohl die Zeit als auch der historische Hintergrund bleiben in der Schwebe. Und dennoch bergen sie historische Wahrheiten eigener Art in sich, die vielfältigen Interpretationen offenstehen. Dazu dienen Sprachanalysen, Motivvergleiche, Rekonstruktion der Wirkungsgeschichte u.a.m. Um das Walthari-Lied z. B. hat sich so ein bunter Interpretationsrahmen gebildet (vgl. die Beiträge in der Literaturzeitschrift WALTHARI).

Mario Bauch, Jurist mit beträchtlichen Kenntnissen aus der Beschäftigung mit den Nordeuropawissenschaften, hat sich den schweren Brocken >germanische Heldensagen< (Untertitel) vorgenommen, um herauszufinden, wie es wirklich gewesen sein könnte. Dazu bemüht er einmal die Geschichtswissenschaft, um die >historischen Hintergründe< aufzubereiten. Zum anderen sammelt und ordnet er den gewaltigen Stoff der einschlägigen historischen Literaturwissenschaft und deren Quellen (z. B. Gregor von Tours). Zum dritten referiert er die Sagenstoffe selber. Mit Recht beklagt er das mangelnde Interesse der Wissenschaften an der Sagenwelt seit deren Mißbrauch durch die Nationalsozialisten. Doch Sagen sind ein Teil des kollektiven kulturellen Gedächtnisses und daher letztlich nicht zu verdrängen. Wie wirr auch die Stränge verlaufen, in Mythen schlagen sich Ängste und Hoffnungen, kurz: das Drama des Menschen und seine Societas nieder. Ausgangspunkt sind jeweils traumatische historische Ereignisse, so die Stürme der Völkerwanderungszeit, die Hunnen- und Mongoleneinfälle usw. Sieht man von dem nicht einlösbaren Ehrgeiz des Verfassers ab, zeigen zu wollen, wie es >>wirklich<< war (was selbst bei bester Datenlage nicht gelingen kann - wegen des bekannten interpretationsphilosophischen Vorbehalts), unterbreitete der Verfasser eine fulminante, exzellent strukturierte Sagenanalyse. Allein die Inhaltsangaben umfassen 34 Seiten. Das Buch wäre eine unübertroffene Fundgrube, hätte sich Bauch noch der Mühe unterzogen, ein Namens- und Stichwortverzeichnis zu erstellen. Wer z. B. über die Westgoten möglichst viel erfahren will, erfährt im zweiten Großkapitel (>Burgunder und Westgoten<) viel, aber nicht alles, was im Buch darüber steht. Kapitel 1 behandelt die Franken, Kapitel 3 die Ostgoten. Man staunt nur so über die stupende Sammel- und Ordnungsleistung, deren Ergebnis leicht lesbar über sechshundert Seiten präsentiert wird. Bauch geht mit den Quellen kritisch um, stellt manche, bisher als sicher geltende Prämisse infrage (z. B. daß Worms durchgehend die Hauptstadt der Burgunder gewesen sei; höchstwahrscheinlich wäre es auch Mainz gewesen, S. 276) und erklärt auch welche Sagengestalten ineinander verkeilt und nicht mehr genau entwirrbar sind. Bedenkt man, welchen Niederschlag die germanischen Heldensagen in der Kunst (Richard Wagner u.a.) und im kulturellen Topos gefunden haben (bis in geläufige Sprachwendungen hinein: Nibelungentreue u.a.m.), so betreibt der Verfasser nichts weniger als eine mythologische Aufklärung von bestechender Qualität. So erklärt er plausibel, was es mit dem Nibelungenschatz auf sich hat. >>Wie aber kam es nun zu der Sage um den Schatz im Rhein? Einen Anknüpfungspunkt für die Wormser Schatzsage bietet folgende Tatsache: Brunichildis residierte zeitweise in Worms. Ein Aufenthalt von Brunichildis mit ihren Enkeln in Worm kurz vor ihrem Tode ist durch Fredegar belegt. Brunichildis ließ wahrscheinlich sogar in Worms Münzen prägen. So liegt nach Hansen in der Pariser Nationalbibliothek ein Münze, die Anfang des 7. Jh. in Worms geprägt wurde. - Später wurde bei Lochheim Gold aus dem Rhein gewaschen. Das Kloster Lorsch betrieb diese Goldwäscherei. Im Nibelungenlied nun wird der Schatz von Hagen >ze Loche> im Rhein versenkt. Die Entstehung der Nibelungenschatzsage ist jetzt nicht mehr schwer nachzuvollziehen. Über Brunichildis gelangt die Hauptstadt des sagenhaften Burgunderreiches nach Worms. Als man später hier Gold findet und aus dem Rhein wäscht, bildet sich die Sage, in der man erklärt, wo das aus dem Rhein gewaschene Gold eigentlich herkommt. Man erfindet die Geschichte, Hagen habe das Gold hier bei Lochheim im Rhein versenkt. Die Sage um den Nibelungenschatz war geboren. Das Kloster Lorsch hat somit aktiv an der Sagenbildung teilgenommen. (S. 259)
(Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, Zeitschrift WALTHARI, Oktober 2006)

So umfangreich wie Mario Bauch, Mitglied der Wormser Nibelungenliedgesellschaft, die Nibelungen im gesamten Kontext der germanischen Sagen (Nibelungenlied, Thidreksaga, Dietrichepen, Waltharius, Kudrunepos, Beowulfepos und Edda) untersucht, ist das zuvor noch nirgends geschehen. Er bezieht sich dabei nicht nur auf die deutsche, sondern auch auf die englische und skandinavische Literatur und arbeitet zudem die wichtigsten historischen Ereignisse und Personen heraus, die zur Bildung der einzelnen Sagen geführt haben könnten. In der groß angelegten Forschungsarbeit werden größtenteils Originalquellen verwendet, so dass eine Verfälschung durch spätere Sekundärliteratur so gut wie ausgeschlossen ist. Umfangreiche Quellenangaben lassen jeden Schritt und jede Schlussfolgerung genau nachvollziehen. Wichtige Quellen, wie Briefe oder Panegyriken, die bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, sind erstmals im Deutschen wiedergegeben. Somit ist das Buch sowohl für Historiker wie Germanisten interessant. Gegliedert ist es in drei Teile, wobei sich der erste Teil vor allem mit der fränkischen Sage, der zweite mit der burgundischen und der dritte mit der ostgotischen befasst.
(Worms 2007 - Heimatjahrbuch für die Stadt Worms, Dezember 2006, Berthold Röth)

 

Wer waren Siegfried, Brunhilde, Hagen und all' die anderen berühmten Gestalten der Nibelungensage und anderer germanischer Heldendichtung? Hat es sie überhaupt je gegeben oder gab es wenigstens Personen der Geschichte, deren Leben und Wirken Vorbilder für die Gestalten der Dichtung gewesen sein könnten? Haben damit auch die Handlungen der Sagen selbst wirklich stattgefundene historische Ereignisse zum Hintergrund?

Diesen Fragen ist Mario Bauch nachgegangen und legt mit seinem Werk "Wer waren die Nibelungen wirklich?" eine gründliche Untersuchung vor, deren Besonderheit ist, dass hier Literaturwissenschaft und Geschichtsforschung zusammengeführt werden.

Einleitend bringt Bauch Kurzabrisse der germanischen Sagen, angefangen mit dem Sagenkreis um Siegfried, über die Burgunder und Waltharius bis Wieland, Dietrich von Bern und endlich Biterolf und Dietleib, jeweils in ihrer nordischen/skandinavischen und deutschen Version nebst etlicher Varianten. Das ist sehr hilfreich, denn nicht jeder wird alle diese Sagen kennen bzw. die sich zum Teil sehr ähnelnden Namen stets parat haben.

Nachdem der Leser dergestalt einen Überblick über die gedichtete Überlieferung erhalten hat, widmet sich der Autor der Geschichtsschreibung und sucht Übereinstimmungen von Historie und Sage. Dieser umfangreichste Teil des Buches ist in drei Hauptabschnitte gegliedert. Zum ersten die fränkische Geschichte, in der Bauch vornehmlich die Gestalt Siegfrieds, daneben auch Brunhildes u. a. zu orten trachtet und überdies nach dem Hintergrund der Hortüberlieferung forscht. Weiter geht es mit Burgundern und Westgoten, worin besonders den Gestalten Gunther, Hagen und Etzel nachgespürt wird und der Autor nach einem historischen Nibelungenuntergang sucht und schließlich wird die Geschichte der Ostgoten dargestellt, wobei Dietrich von Bern hauptsächlicher Untersuchungsgegenstand ist.

Wie komplex die Werdung der Sagengestalten nach Auffassung des Autors gewesen ist, sei am Beispiel Gunthers kurz angerissen. Im Nibelungenlied ist Gunther der König der Burgunder/Nibelungen, der mit Hilfe Siegfrieds die Brunhilde zur Frau gewinnt, während Siegfried Gemahl von Gunthers Schwester Krimhilde wird. Später schmieden Gunther und sein Vasall Hagen das Mordkomplott gegen Siegfried und finden endlich am Hofe des Hunnenkönigs Etzel den Tod.

Nach Bauch ist der Burgunderkönig Gundahar, er starb 436 im Kampf gegen die Hunnen, Vorbild des Gunthers im ersten Teil des Nibelungenliedes. Dagegen sei der Waltharius auftretende Gunther der Römer Valentinian, der schon im Knabenalter römischer Kaiser wurde - wie auch der Gunther der Sage. Ihm zur Seite steht in allen Sagen Hagen, der nach Bauch aus dem weströmischen Feldherrn und Staatsmann Aetius gebildet wurde. Der historische Gundahar kam 436 beim allgemeinen Burgunderuntergang um - der Endschlacht des Nibelungenliedes stehe dagegen die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 Pate. Die herausragenden Feldherrn dieser Vielvölkerschlacht waren Aetius auf römischer Seite, Hunnenkönig Attial führte die Hunnen und ihre Verbündeten. In der Nibelungensage seien die Schlachten von 436 und 451 verschmolzen worden - und damit trat Gundahar als König Gunther an die Seite Hagens udn Hagen wurde zum Burgunder. (S. 378)

Im vorliegenden Buch ist das natürlich viel detaillierter dargestellt und umfangreich anhand der historischen Quellen belegt. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet den gehaltreichen, fast 650 Seiten starken Band ab.
Bleibt zu hoffen, dass Mario Bauchs Arbeit rege Aufnahme findet!
(Andreas Zompro, www.dasschwarzenetz.de, http://www.sungaya.de/schwarz/literatur/000324.htm)

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