Störungen des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen

Band 6. Schriftenreihe zur Entwicklung sozialer Kompetenz.

Hartmut Knopf / Steffen Dauer

Kurzübersicht

Band 6. Schriftenreihe zur Entwicklung sozialer Kompetenz.
ISBN: 978-3-937231-80-8
Veröffentlicht: Mai 2005, 1.. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 172, Format DIN A5, Gewicht 0.24 kg
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Störungen des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen

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Details

Bei der Beschäftigung mit psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter stellen die Autoren die psychologische Intradisziplinarität in den Vordergrund. Neben allgemein- und entwicklungspsychologischen Fragen zur Symptomatik und Ätiologie diskutieren die Autoren vor allem anwendungsbezogene und praktische Fragestellungen der Prävention und Intervention aus pädagogisch- und klinisch-psychologischer sowie forensischer Sicht.

Wenngleich sich die Autoren dabei auf Störungen der sozialen Interaktionen (mit Schwerpunkt auf aggressives und dissoziales Verhalten) konzentrieren, berücksichtigen sie, dass sich auch andere psychische Störungsbilder mehr oder weniger stark im Sozialverhalten äußern.

Einleitung

Die Frage danach, ob es zwischen der Anatomie der normalen Entwicklung und der Pathologie der Entwicklung kategoriale Unterschiede gibt oder ob ein generelles Kontinuum zwischen Normalität und Devianz besteht, scheint in der psychologischen Forschung seit geraumer Zeit eindeutig zugunsten der Annahme eines Kontinuums beantwortet zu sein.

Während frühere Modelle zur Erklärung psychischer Störungen und Erkrankungen in der Regel einzelne der Entwicklungskräfte Natur, Gesellschaft und Person in ihren Wirkungen verabsolutierten beziehungsweise zumindest stark favorisierten, trug dies eher dazu bei, dass einerseits getrennte Wege in der Forschung (vordergründiges Herausarbeiten von kategorialen Unterschieden in der Symptomatik und Ätiologie) gegangen wurden und dass andererseits auch sehr differente Umgänge mit Betroffenen (sowohl in der Gesellschaft insgesamt als auch in praktischen Institutionen) realisiert wurden.
Aus heutiger Sicht kann davon ausgegangen werden, dass es bei allen Menschen und dabei bei allen Merkmalsausprägungen, bei physischen ebenso wie bei psychischen, zu Kontinuität und auch zu Diskontinuität in der Entwicklung kommen kann. Anders ausgedrückt heißt dies, dass Störbarkeit in der Entwicklung zur Normalität gehört.

Im Zusammenhang mit eintretenden Sozialisationseinflüssen, unabhängig davon, ob dies gezielte Interventionen oder nicht vorhersehbare Lebensereignisse wie beispielsweise Erkrankungen oder soziale Verluste und Trennungen sind, können sich, und dies wieder abhängig von den spezifischen Person-Umwelt-Konstellationen, sehr unterschiedliche Auswirkungen einstellen. Zum einen ist es denkbar, dass extrem ungünstig erscheinende Einflüsse (so genannte Risikofaktoren) aufgrund bestehender personaler und sozialer Ressourcen (so genannte Resilienzfaktoren) unbeschadet bewältigt werden können. Zum anderen können bei unzureichenden Ressourcen (zum Beispiel im personalen Bereich: Fehlen der physischen und/oder psychischen Gesundheit, unzureichende kognitive und soziale Kompetenzen, fehlende Selbstkontrolle; zum Beispiel im sozialen Bereich: ungünstiger sozioökonomischer Status der Familie, gestörte Familienbeziehungen, schlechte schulische Qualitätsparameter u .a. m.) auch weniger belastende Faktoren in die Devianz führen.

Alle Menschen sind in ihrer Entwicklung entsprechenden Anforderungen ausgesetzt. Inwiefern sich in der Auseinandersetzung mit diesen Belastungen ergeben, die entweder konstruktiv bewältigt werden können und somit die Funktionsfähigkeit aufrecht erhalten oder aber, wenn die Anforderungen die Ressourcen wiederholt  übersteigen, zu psychosomatischen oder psychischen Störungen führen, hängt ganz von dem Passungsverhältnis zwischen Anforderungen und Ressourcen ab. Bei inadäquatem Passungsverhältnis, wie es naturgemäß insbesondere bei Kindern und Jugendlichen häufiger der Fall ist als bei den meisten stabilisierten Erwachsenen, stellt sich die Frage nach Möglichkeiten der Herstellung eines positiven Verhältnisses zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten.

Mit den angesprochenen Themen soll der in diesem Buch behandelte Untersuchungsgegenstand, nämlich das potenzielle Auftreten psychischer Störungen insbesondere im Kindesalter (höhere Vulnerabilität aufgrund der noch relativ hohen Labilität in allen psychischen Funktionen und der fehlenden Erfahrungen im Umgang mit Belastungssituationen)  sowie im Jugendalter (Phase, in der Krisen wie Identitätskrisen, Rollenkonfusionen, narzisstische Krisen, Ablösungskrisen, Beziehungskrisen, Rivalitätskrisen, Autoritätskrisen entstehen können und zu bewältigen sind) umrissen sein. Der wichtigste Aspekt bei der Beschäftigung mit den psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter im Rahmen des vorliegenden Buches soll der der Intradisziplinarität sein. So gesehen sollen neben allgemein- und entwicklungspsychologischen Fragen zur Symptomatik und Ätiologie vor allem anwendungsbezogene und praktische Fragestellungen hinsichtlich der Prävention und Intervention aus pädagogisch-psychologischer, klinisch-psychologischer und forensischer Sicht in ihrer Verknüpfung diskutiert werden.

Um eine Eingrenzung bezüglich der verschiedensten Störungsbilder vornehmen zu können, soll eine Konzentration vor allem auf Störungen im Bereich der sozialen Interaktionen erfolgen. Es kann natürlich davon ausgegangen werden, dass sich alle psychischen Störungen mehr oder weniger stark im Sozialverhalten äußern, insofern wird der inhaltliche Schwerpunkt auf Störungen des Sozialverhaltens im engeren Sinne, also auf aggressives und dissoziales Verhalten gelegt.

Anliegen und Aufbau des vorliegenden Buches

Nachdem als erster Band der Schriftenreihe „Entwicklung sozialer Kompetenz“ eine Studie zur „Marktkommunikation unter dem Einfluss des psychologischen Feldes - aufgezeigt am Beispiel des Ernährungsverhaltens“ erschienen ist, folgten in den Bänden 2 bis 5 Abhandlungen zum Mobbing, zu sozialpsychologischen Themen der Beratungskompetenz, zur Lebensqualität in der Adoleszenz und zur Ernährungsberatung.

Mit diesem nunmehr vorliegenden sechsten Band soll das Themenspektrum der Schriftenreihe in Bezug auf psychische Störungen im Bereich des Sozialverhaltens erweitert werden.

Unter Berücksichtigung einerseits allgemein- und entwicklungspsychologischer und andererseits pädagogisch-, klinisch- und rechtspsychologischer Aspekte soll dabei sowohl ein theoretischer als auch ein anwendungsbezogener Beitrag zur Aufhellung des Untersuchungsgegenstandes sowie zum konstruktiven Umgang mit ihm geleistet werden.

Bei der Betrachtung der bisher zur Thematik der psychischen Störungen im Bereich des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalters vorliegenden psychologischen Literatur fällt auf, dass es sich zumeist um monodisziplinäre Darstellungen handelt. Das heißt, dass vor allem Publikationen entweder aus entwicklungs- oder aus klinisch- oder aus pädagogisch-psychologischer Perspektive vorliegen. Insofern soll mit diesem Buch das Ziel verfolgt werden, die Betrachtungsweise der Störungen im Bereich des Sozialverhaltens auf verschiedene inhaltliche und formale Dimensionen auszudehnen:

  • Behandlung der verschiedenen Muster (offensive und defensive, regressive und demonstrative),
  • Diskussion verschiedener Schweregrade (von leichteren Formen der Devianz bis zu schwereren, krankheitswertigen Formen,
  • Diskussion verschiedener Ausprägungsgrade (von dissozialen Formen bis zu kriminellen Formen der Sozialstörungen),
  • Erörterung von pädagogisch und pädagogisch-psychologischen Maßnahmen zur Prävention und Intervention bis hin zu beraterischen und therapeutischen Möglichkeiten,
  • Berücksichtigung von Fragestellungen aus der Sicht verschiedener Institutionen (Familie, Schule, Klinische Praxis, Gericht).

Mit der Aufnahme dieser unterschiedlichsten Inhaltsbereiche soll zugleich der potenzielle Kreis der Adressaten erweitert werden. Insofern richtet sich das Buch an Psychologen, Pädagogen, Ärzte, Juristen und Eltern.

Das Buch ist so aufgebaut, dass zunächst theoretische Ausführungen zu psychischen Störungen und zu ihrer Entstehung dargelegt werden. Es schließen sich entwicklungspsychologische Darstellungen zu allgemeinen Entwicklungsbesonderheiten im Kindes- und Jugendalter und insbesondere zur Ätiologie von Störungen im sozialen und emotionalen Bereich an.

Die nachfolgenden Kapitel 4 bis 6 sind vor allem anwendungsbezogen und praktisch orientiert. Dabei geht es im fünften Kapitel in erster Linie um den Themenbereich aggressiven und dissozialen Verhaltens im schulischen Kontext. Diesen Ausführungen liegen vor allem Ergebnisse eigener theoretischer und empirischer Forschungsarbeiten zugrunde.

Sowohl das fünfte Kapitel zur klinischen Relevanz als auch das sechste Kapitel zu juristischen Konsequenzen greifen auf umfangreiche Erfahrungen aus der psychotherapeutischen sowie aus der rechtspsychologischen Praxis zurück.

Rezensionen

Offene Spielräume, Ausgabe 3/2005

Bei der Beschäftigung mit psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter stellen die Autoren die psychologische Intradisziplinarität in den Vordergrund. Neben allgemein- und entwicklungspsychologischen Fragen zur Symptomatik und Ätiologie diskutieren die Autoren vor allem anwendungsbezogene und praktische Fragestellungen der Prävention und Intervention aus pädagogisch- und klinisch-psychologischer sowie forensischer Sicht.
Wenngleich sich die Autoren dabe auf Störungen der sozialen Interaktionen (mit Schwerpunkt auf aggressives und dissoziales Verhalten) konzentrieren, berücksichtigen sie, dass sich auch andere psychische Störungsbilder mehr oder weniger stark im Sozialverhalten äußern.
Bei der Betrachtung der bisher zur Thematik der psychischen Störungen im Kinder- und Jugendalter vorliegenden psychologischen Literatur fällt auf, dass es sich zumeist um monodisziplinäre Darstellungen handelt. Das heißt, dass vor allem Publikationen entweder aus entwicklungs- oder aus klinisch- oder aus pädagogisch-psychologischer Perspektive vorliegen. Insofern soll mit diesem Buch das Ziel verfolgt werden, die Betrachtungsweise der Störungen im Bereich des Sozialverhaltens auf verschiedene inhaltliche und formale Dimensionen auszudehnen:

  • Behandlung der verschiedenen Muster (offensive und defensive, regressive und demonstrative)
  • Diskussion verschiedener Schweregrade (von leichteren Formen der Devianz bis zu schwereren, krankheitswertigen Formen)
  • Diskussion verschiedener Ausprägungsgrade (von dissozialen Formen bis zu kriminellen Formen der Sozialstörungen)
  • Erörterung von pädagogisch und pädagogisch-psychologischen Maßnahmen zur Prävention und Intervention bis hin zu beraterischen und therapeutischen Möglichkeiten
  • Berücksichtigung von Fragestellungen aus der Sicht verschiedener Institutionen (Familie, Schule, Klinische Praxis, Gericht)

Mit der Aufnahme dieser unterschiedlichsten Inhaltsbereiche soll zugleich der Kreis der Adressaten erweitert werden. Insofern richtet sich das Buch an Psychologen,

Pädagogen, Ärzte, Juristen und Eltern.

 

Schriftenreihe zur Entwicklung sozialer Kompetenz
Herausgegeben von Gerhard Igl / Hartmut Knopf / Werner Merkle

 

 

Der rasche Wandel in unserer Zeit bedingt fortlaufend Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen. So stellt die Zukunft Unternehmen und deren Mitarbeiter vor zahlreiche neue Aufgaben. Moderne Technologien, steigende Anforderungen an die Qualität, veränderte mikro- und makroökonomische Organisationsformen erfordern eine hohe Flexibilität des Einzelnen, die auch die Beziehungen im Arbeitsprozess umfasst. Die Zusammensetzung der jeweiligen Struktureinheiten richtet sich nach den Anforderungen des Betriebsprozesses und verändert sich zuweilen innerhalb kürzester Zeit. Die gleichzeitige Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen setzt eine schnelle Umstellung auf das jeweilige Subsystem voraus, in dem spezifische soziale Strukturen mit jeweils abweichenden Kooperations- und Kommunikationsformen herrschen.
Oft fehlt die Zeit für ein langsames, sich gegenseitiges Annähern, da die betriebliche Funktionalität eine rasche zielorientierte Zusammenarbeit voraussetzt. Dies verlangt, dass der Einzelne über eine hohe Flexibilität in seinem Verhalten und über hohe soziale Kompetenz verfügt. Zunehmende Anforderungen an die Mobilität führen zugleich zu Veränderungen in den sozialen Kontakten, deren Stetigkeit und Dauerhaftigkeit abnimmt. Hinzu kommen vermehrt Vereinzelungstendenzen, die wiederum auch durch neue Technologien und Arbeitsformen bedingt sind.
So bleibt die Entwicklung sozialer Kompetenz, wie sie in Alltagssituationen erworben werden kann, oft hinter den Anforderungen in den verschiedenen Lebensbereichen zurück. Zudem werden diese Kompetenzen in der schulischen, beruflichen und universitären Ausbildung nicht ausreichend gefördert.
Mit dieser Schriftenreihe soll daher ein Beitrag geleistet werden, diesbezügliche Defizite zu beheben. Die Schriften wenden sich gleichermaßen an Vertreter der

Theorie und Praxis, an Ausbilder und Lehrende, wie auch an Personen, die unternehmerische Verantwortung tragen. Den Ausbildern zeigen sie Möglichkeiten auf, wie solche Kompetenzen vermittelt werden können, den Vertretern der beruflichen Praxis geben sie Hilfestellung bei der betrieblichen Bewältigung sozialer Anforderungen.

Die Herausgeber:

Prof. Dr. Gerhard Igl studierte Ökonomie in Berlin, später Pädagogik in Leipzig und promovierte zum Dr. rer. oec. an der Humboldt-Universität Berlin. Er arbeitete in mehreren verantwortlichen Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung und in der Wirtschaft, u.a. als Lehrer und als Betriebsberater. Seit dem Jahr 2000 lehrt er an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg Dienstleistungsmanagement.
Kontakt: http://www.loel.hs-anhalt.de/fachbereich/dekanat/index.html

 

Prof. Dr. habil. Hartmut Knopf studierte Psychologie und Pädagogik, promovierte und habilitierte über Lern- und Bildungsprozesse und ist seit 1987 Professor für Pädagogische Psychologie am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören: Diagnostik und Förderung von Begabungen, Prävention und Intervention bei Aggression und Gewalt von Kindern und Jugendlichen, Lebensqualität von Jugendlichen im interkulturellen Vergleich sowie Psychologische Aspekte des Familienrechts.
Kontakt: http://www.erzwiss.uni-halle.de/gliederung/paed/psycho/index.htm, http://www.philfak3.uni-halle.de/

 

Prof. Dr. Dr. Werner Merkle studierte Makroökonomie sowie Psychologie und promovierte zum Dr. rer. pol. und Dr. phil. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er als Hochschullehrer tätig, zunächst an der Fachhochschule Fulda, danach als Professor für Beratungslehre an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg. Er nahm darüber hinaus zahlreiche Lehraufträge an mehreren Universitäten und Fachhochschulen wahr und arbeitete nebenberuflich als Konfliktberater. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet der beruflichen Kompetenzen.
Kontakt:
http://www.loel.hs-anhalt.de/fachbereich/personal/professoren/index.html

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