Bauliche Erneuerungen und demographische Veränderungen in Zeilenbauten der 1950/60er Jahre

Das Beispiel Hannover. IÖR-Band 66

Kurzübersicht

Zeilenbauten der 1950/60er Jahre wurden nach dem Leitbild der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ errichtet, liegen aus heutiger Sicht innenstadtnah und bieten kompakten, meist preisgünstigen Wohnraum. Zeilenbauten werden große Entwicklungspotenziale zugeschrieben, jedoch können eine „doppelte Alterung“ von Bewohnerschaft und Gebäudebeständen, die Konzentration sozial benachteiligter Haushalte sowie Verkäufe von Wohnungsbeständen an internationale Wohnungsanbieter zu Umbrüchen und ggf. zu Abwärtsspiralen führen. Was trägt dazu bei, ob es zu einer Modernisierung oder zu einer Abwertung kommt? Welche Möglichkeiten gibt es, diesen großen Wohnungsbestand der Nachkriegszeit weiterzuentwickeln? Da kleinräumige quantitative Studien zu baulichen und demographischen Veränderungen bislang fehlen, wurde am Beispiel der Stadt Hannover eine gebäudetypspezifische Analyse für Zeilenbauten der 1950/60er Jahre durchgeführt.
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Band 66 der Reihe "IÖR Schriften"

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Mei-Ing Ruprecht

Bauliche Erneuerungen und demographische Veränderungen in Zeilenbauten der 1950/60er Jahre

Das Beispiel Hannover


Veröffentlicht: Mai 2015. Einband: Broschur. Zahlreiche Tabellen und Abbildungen, 20 davon farbig. 288 Seiten. Format 168 x 240. ISBN 978-3-944101-66-8. Preis: 48,80 Euro.

Band 66 der Reihe "IÖR Schriften"
Herausgegeben vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (IÖR)
Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Müller, Weberplatz 1, 01217 Dresden Tel.: (0351) 4679-0,
Fax.: (0351) 4679-212 eMail: info@ioer.de, Homepage: http://www.ioer.de

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Zeilenbauten der 1950/60er Jahre wurden nach dem Leitbild der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ errichtet, liegen aus heutiger Sicht innenstadtnah und bieten kompakten, meist preisgünstigen Wohnraum. Zeilenbauten werden große Entwicklungspotenziale zugeschrieben, jedoch können eine „doppelte Alterung“ von Bewohnerschaft und Gebäudebeständen, die Konzentration sozial benachteiligter Haushalte sowie Verkäufe von Wohnungsbeständen an internationale Wohnungsanbieter zu Umbrüchen und ggf. zu Abwärtsspiralen führen. Was trägt dazu bei, ob es zu einer Modernisierung oder zu einer Abwertung kommt? Welche Möglichkeiten gibt es, diesen großen Wohnungsbestand der Nachkriegszeit weiterzuentwickeln? Da kleinräumige quantitative Studien zu baulichen und demographischen Veränderungen bislang fehlen, wurde am Beispiel der Stadt Hannover eine gebäudetypspezifische Analyse für Zeilenbauten der 1950/60er Jahre durchgeführt. Eine Clusteranalyse zeigte eine demographische Ausdifferenzierung der Bewohnerschaft und eine umfangreiche Primärdatenerhebung die unterschiedlichen Erneuerungszustände der Zeilenbauten. Mittels einer Kontingenzanalyse wurde der Einfluss der Eigentümerschaft und der stadträumlichen Lage auf den baulichen Zustand und auf die demographischen Veränderungen überprüft. Fünf qualitative Fallstudien sowie Experteninterviews mit Wohnungsunternehmen untersetzen die quantitativen Ergebnisse. Abschließend wurden Einflussmöglichkeiten auf die Weiterentwicklung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre
herausgearbeitet.
Zeilenbau apartment buildings of the 1950/60s were built as a social housing standard type after World War II. The stock offers small flats, good accessibility and comparably low rents. Over time, large 1950/60s districts with Zeilenbau have become problematic neighborhoods. For this PhD thesis, a sequential quantitative qualitative case study has been undertaken in the city of Hannover. Main investigations concerned demographic development of inhabitants, building renewal, as well as the influencing factors of ownership and urban context.

Vorwort

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der Dresden Leibniz Graduate School (DLGS). Die DLGS ist eine international orientierte raum-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Graduiertenschule. Sie verfolgt eine europäisch vergleichende Perspektive mit Fokus auf regionale und lokale Entwicklungsstrategien. In der DLGS erhalten Universitätsabsolvent/innen und berufserfahrene Nachwuchswissenschaftler/innen die Möglichkeit, in einem interdisziplinär orientierten Studienprogramm zu promovieren. Die Graduiertenschule wurde vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Technischen Universität Dresden (TUD) sowie der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), Hannover, eingerichtet. Sie nutzt damit Synergien zwischen Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen am Forschungsstandort Dresden.  
Die DLGS vergibt Stipendien für Dissertationen zu raumwissenschaftlich bedeutsamen Fragestellungen. Die Stipendiat/innen erhalten ein umfangreiches strukturiertes Ausbildungsangebot. Hierzu gehören Kurse, Workshops und Sommerschulen zu wissenschaftstheoretischen, methodischen und dissertationsrelevanten fachlichen Themen sowie Begleitgremien zur intensiven Diskussion des individuellen Promotionsfortschritts.
Zentrales Thema des zweiten Jahrgangs der DLGS, in dessen Rahmen die Arbeit von Mei-Ing Ruprecht entstand, waren Strategien zum Umgang mit dem demographischen und ökonomischen Wandel sowie mit Herausforderungen durch den Klimawandel. Frau Ruprecht leistet dabei einen wichtigen Beitrag zu der Frage, wie sich der überlieferte Wohnungsbestand der 1950/60er Jahre und seine Bewohnerschaft vor dem Hintergrund des demographischen Wandels verändern. Eine Besonderheit ihrer Arbeit liegt in Verbindung eines sozialwissenschaftlichen Forschungsansatzes mit Architektur und Städtebau. Dieser hat zu kleinräumigen, theoretisch fundierten und zugleich anwendungsorientierten Forschungsergebnissen für die Zeilenbauten der 1950/60er Jahre geführt.
 
Dresden, im Januar 2015
Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Müller
Sprecher der DLGS

 

Kurzfassung

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden in Deutschland in Zeiten großer Wohnungsnot rund drei Millionen Wohnungen in Zeilenbauten. Diese Zeilenbauten der 1950/60er Jahre sind drei- bis fünfgeschossige Wohngebäude, die nach dem städtebaulichen Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt zeilenartig parallel und quer zum Straßenverlauf angeordnet wurden. Die Wohnungen haben überwiegend zwei bis drei Zimmer und sind aus heutiger Sicht mit 40 bis 65 qm vergleichsweise klein. Im Hinblick auf die Entwicklung der Zeilenbauten der 1950/60er Jahre besteht für die lokalen Akteure in dreifacher Hinsicht großer Beobachtungs- und Handlungs¬bedarf. Erstens kann die derzeitige „doppelte Alterung“ von Bewohnerschaft und Gebäuden zu starken Umbrüchen der Bewohnerschaft führen. Zweitens konzentrieren sich in Beständen der 1950/60er Jahre Belegrechte des sozialen Wohnungsbaus, d.h. Rechte der Kommune, um sozial benachteiligte Haushalte mit Wohnraum zu versorgen. Und drittens wurden seit Ende der 1990er Jahre Bestände der 1950/60er Jahre überdurchschnittlich häufig an internationale Wohnungsanbieter veräußert, von denen Desinvestitionsstrategien befürchtet werden.
Die vorliegende Arbeit zielt auf empirisch fundierte Erkenntnisse zu der Frage, wie die Erneuerung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre und die Entwicklung ihrer Bewohnerschaft im Sinne einer sozial orientierten Stadtentwicklung beeinflusst werden kann. Die Stadt Hannover steht dabei als Gegenstand der Untersuchung stellvertretend für westdeutsche Großstädte mit einem hohen Anteil an Zeilenbauten, einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt, einer stabilen demographischen Entwicklung und einem hohen Anteil an sozial benachteiligten Haushalten. Hannover galt zudem in den 1950/60er Jahren als Musterbeispiel für den Wiederaufbau westdeutscher Städte. Auf Grundlage der Problem- und Zielstellung werden sowohl die baulichen Veränderungen von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre als auch die charakteristischen demographischen Entwicklungen ihrer Bewohnerschaft empirisch untersucht. Zusätzlich werden die Rahmenbedingungen erforscht, die einen bedeutenden Einfluss auf die baulichen Veränderungen und die demographischen Entwicklungen der Bewohnerschaft haben und insbesondere die Rolle der Eigentümerschaft sowie der stadträumlichen Lage analysiert. Sozialökologische Modelle und stadtökonomische Ansätze dienen als heuristischer Rahmen.
Die Analyse setzt sich aus quantitativen und qualitativen Untersuchungen zusammen. Grundlage der quantitativen Analyse bilden 195 statistische Baublöcke Hannovers mit homogener Zeilenbebauung. Für diese wurden der bauliche Zustand der Gebäudehülle, der Eigentümertyp und die stadträumliche Lage erhoben. Eine Clusteranalyse mit den Variablen „relative Einwohnerentwicklung“, „Anteil <18-Jähriger“, „Anteil ≥65-Jähriger“ sowie „Migrantenanteil“ im Zeitraum 1985 bis 2011 führt zu drei demographischen Profilen, die typische demographische Entwicklungen der Bewohnerschaft aufzeigen. Eine Kontingenzanalyse klärt die Zusammenhänge zwischen dem Eigentümertyp und der stadträumlichen Lage sowie dem baulichen Zustand und den demographischen Profilen. Fünf heterogene Fallstudien dienen sodann der Vertiefung der quantitativen Ergebnisse. Vor dem Hintergrund der Fallstudien werden Experteninterviews mit unterschiedlichen Wohnungsunternehmen (kommunal, genossenschaftlich und privat/international) und dem Stadtplanungsamt genutzt, um die Erneuerungs- und Bewohnerstrategien der unterschiedlichen Eigentümertypen auszuwerten. Abschließend werden die Einfluss¬möglichkeiten von Wohnungsunternehmen und der Kommune auf die bauliche Erneuerung von Zeilenbauten und die demographische Entwicklung ihrer Bewohnerschaft herausgearbeitet.
Die Dissertation zeigt unterschiedliche demographische Entwicklungen auf und stellt die Bedeutung der Eigentümerschaft heraus, die in theoretischen Modellen zum Wandel von Quartieren häufig vernachlässigt wird. Methodisch ist von besonderem Interesse, dass Zeilenbauten auf der räumlichen Ebene von statistischen Baublöcken identifiziert und mit demographischen Daten verknüpft werden. Aus der Forschungsarbeit lassen sich übertrag¬bare Einflussmöglichkeiten sowie praktische Handlungsempfehlungen für die Erneuerung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre anderer deutscher Städte ableiten. Im Rahmen von vergleichenden Analysen sollte in zukünftigen Forschungsprojekten jedoch vertieft werden, wie sich Zeilenbauten in schrumpfenden und wachsenden Städten verändern und welche Veränderungen sich in ostdeutschen Städten abzeichnen. Weiterer Forschungsbedarf besteht dazu, welche Rolle Zeilenbauten für eine Stadt einnehmen, wenn kommunale Bestände samt Belegrechten an internationale Wohnungs¬anbieter verkauft wurden und wie die soziale Wohnraumversorgung gestärkt werden kann.

Zentrale Ergebnisse

Die zentralen Ergebnisse aus der vorliegenden Arbeit beziehen sich auf fünf Themenkomplexe: die entwickelte Methodik, die demographischen Veränderungen, die bauliche Erneuerung, die Einflussmöglichkeiten auf die Veränderungen im Sinne einer sozial orientierten Stadtentwicklung und die Bedeutung von Zeilenbauten im Stadtgefüge.

  • (1)    Gebäudetypspezifische bauliche und demographische Analysen

Eine kleinräumige Identifizierung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre aus den baulich-räumlichen Daten topographischer Karten ermöglicht Analysen von Zeilenbauten als einzelnem Gebäudetyp. Die Verknüpfung mit demographischen Daten erlaubt detaillierte gebäudetypspezifische Betrachtungen, durch die Periodeneffekte von Bewohnergruppen (z.B. Alterung) und Gebäuden (z.B. Sanierungsbedarf) zutage treten. Im Gegensatz zu Analysen auf Stadtteil- oder Quartiersebene können durch dieses Vorgehen spezifische, auf den Gebäudetyp bezogene Veränderungen entdeckt, Handlungsfelder erkannt und entsprechende (z.B. bauliche) Maßnahmenkonzepte erarbeitet werden. Außerdem kann die Wirkung von Maßnahmen und finanziellen Anreizen auf soziale Veränderungen der Bewohnerschaft beobachtet und evaluiert werden. Die Abbildung in thematischen Karten erlaubt eine präzise räumliche Verortung. Diese als Teil der Dissertation entwickelte Methode kann die kommunale Wohnungsmarktbeobachtung sinnvoll ergänzen. Für die Quartiersentwicklung lassen sich damit wichtige Entscheidungsgrundlagen zur Bestandsentwicklung eines Gebäudetyps schaffen. Für die Quartiersforschung ist von besonderem Interesse, dass gebäudetypspezifische Analysen, indem sie Periodeneffekte von Bewohnerschaft und Gebäuden ausklammern, zu einem besseren theoretischen Verständnis des Wandels von Quartieren führen und die Bedeutung von einzelnen Einflussfaktoren wie Eigentümerschaft und stadträumlicher Lage verdeutlichen.

  • (2)    Demographische Ausdifferenzierung der Bewohnerschaft in Zeilenbauten

In Zeilenbauten der 1950/60er Jahre der Stadt Hannover lassen sich im Zeitraum 1985 bis 2011 drei demographische Profile der Bewohnerschaft unterscheiden: „kleine jüngere Haushalte“ (48%), „Senioren“ (17%) und „Familien“ (35%). Diese zeigen eine zunehmende Polarisierung der Bewohnerschaft in kleinere und größere beengt lebende Haushalte. Bei „kleinen jüngeren Haushalten“ und „Senioren“ sind die Migrantenanteile mit 17% bzw. 22% im städtischen Vergleich unterdurchschnittlich, bei „Familien“ erreichen sie dagegen knapp 50%, so dass eine räumliche Segregation von Personen mit Migrationshintergrund sichtbar wird. Die „kleinen jüngeren Haushalte“ finden sich bei Wohnungsgenossenschaften und bei privaten Wohnungsbaugesellschaften. Das Profil „Senioren“ wird von einer starken Alterung der Bewohnerschaft mit einem Generationenwechsel seit 2005 charakterisiert und tritt vor allem bei Wohnungsgenossenschaften auf. Das demographische Profil „Familien“ konzentriert sich bei der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und privaten, insbesondere auch internationalen Wohnungsanbietern und weist einen starken Zusammenhang zu Belegrechten und Armut auf. Die demographischen Profile hängen stark mit eigentümerspezifischen Unternehmenszielen, Bewohner- und Erneuerungsstrategien (z.B. bezüglich Belegrechtsquote, Sanierungsstand) zusammen. Die stadträumliche Lage spielt eine untergeordnete Bedeutung für die Ausprägung der demographischen Profile, während die Sozialstruktur und der bauliche Zustand im Wohnumfeld einen bedingten Einfluss haben.

  • (3)    Bauliche Erneuerung und zielgruppenspezifische Angebote

Zunehmende energetische und technische Modernisierungsmaßnahmen, eine Erneuerung der Wohnungsausstattung, der Anbau von Balkonen sowie zielgruppenspezifische Angebote haben in den letzten 15 Jahren zur Aufwertung des Wohnungsangebots in Zeilenbauten geführt und die Nachfrage stabilisiert. Die Zeilenbauten in der Stadt Hannover sind zu etwa einem Drittel überwiegend unsaniert und haben nach wie vor ein hohes Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Die angebotsorientierten Wohnungsunternehmen nutzen die Potenziale für ältere Menschen z.B. durch altengerechte Umbauten in den unteren Geschossen und wohnbegleitende Pflege- und Betreuungsangebote. Um Angebote für Familien zu erhöhen, führt die kommunale Wohnungs¬baugesellschaft Wohnungszusammenlegungen durch. Diese sind aus Sicht der anderen Wohnungsunternehmen aber nicht wirtschaftlich und werden nur selten vorgenommen. Der Generationenwechsel führt bei angebotsorientierten Wohnungsunternehmen zur gezielten Verjüngung der Bewohnerschaft parallel zu einer baulichen Aufwertung. Bei nachfrageorientierten Wohnungsunternehmen sind bei ausbleibenden Modernisierungen und selektiven Zu- und Wegzügen beginnende soziale Abwärtsspiralen erkennbar und Beobachtungsbedarf durch die Kommune vorhanden. Für Wohnungsunternehmen bedeutet dies aber, dass sie auf ausgeglichenen Wohnungsmärkten ausreichend Spielräume zur Weiterentwicklung ihrer Zeilenbau-Bestände haben.

  • (4)    Einflussmöglichkeiten auf Veränderungen von bzw. in Zeilenbauten

Die beobachteten baulichen und demographischen Veränderungen zeigen Konflikte zwischen den Zielen einer baulichen (energetischen) Erneuerung und sozialer Ausgewogenheit in den Wohngebieten. Die drei betrachteten Eigentümertypen verfolgen unterschiedliche Erneuerungs- und Bewohnerstrategien, kooperieren unterschiedlich stark mit der Kommune und berücksichtigen jeweils nur bestimmte finanzielle Anreize. Finanzielle Anreize für bauliche Maßnahmen stellen ein wichtiges Instrument dar, um energetische Erneuerungen und zielgruppenspezifische Umbauten zu unterstützen, führen aber indirekt zur Verringerung von preiswertem Wohnraum und zur Verdrängung einkommensschwacher Haushalte. Finanzielle Anreize für soziale Maßnahmen und Belegrechte wirken nur beim kommunalen Wohnungsunternehmen und sind bei räumlicher Konzen¬tration von Belegrechten weiterhin erforderlich. Diese Konflikte heben die wichtige Aufgabe der kommunalen Wohn- und Sozialpolitik hervor, mithilfe des sozialen Wohnungsbaus Einfluss auf einen segmentierten Wohnungsmarkt auszuüben und die sozialen Ziele der Kommunen umzusetzen. Wenn eine stadtweite Integration erreicht und der soziale Zusammenhalt der Stadtgesellschaft unterstützt werden soll, sind räumlich differenzierte Erneuerungsstandards der Wohnungsunternehmen sowie räumlich verteilte und flexible Belegrechtskontingente bei unterschiedlichen Wohnungsunternehmen sinnvoll.

  • (5) Sozial orientierte Stadtentwicklung und Zusammenhalt der Stadtgesellschaft

Zeilenbauten der 1950/60er Jahre leisten dank ihrer innenstadtnahen Lage, ihrer räumlichen Verteilung im Stadtgebiet, ihrer Anordnung in Wohngebieten überschaubarer Größe sowie dank ihrer niedrigen Mieten einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Stadtgesellschaft. Die kleinen Wohnungen bieten bei sinkenden Haushaltsgrößen und steigenden Energiekosten einer zunehmenden Anzahl Haushalten mit mittlerem und niedrigem Einkommen entsprechenden Wohnraum. Sie eignen sich für den sozialen Wohnungsbau bzw. ggf. neue Belegrechte und haben Potenziale zur Integration von sozial benachteiligten Haushalten, wenn sie in kleinen Wohngebieten in unterschiedliche Sozialstrukturen eingebettet sind. Aus stadtplanerischer Sicht sind städtebauliche Umstrukturierungen, Abrisse und Ersatzneubauten sowie aufwändige Umbauten auf ausgeglichenen Wohnungsmärkten nicht erforderlich, weil eine prinzipielle Akzeptanz der Wohnungen vorhanden ist. Stattdessen ist für die kommunale Wohn- und Sozialpolitik aufgefordert, die Potenziale von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre für eine sozial orientierte Stadtentwicklung und Stadterneuerung zu nutzen.

Inhaltsverzeichnis

1    Einleitung    5
1.1    Ziel der Arbeit    5
1.2    Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    5
1.3    Problemstellung    7
1.3.1    Problemlagen von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    7
1.3.2    Bestandsentwicklung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    9
1.3.3    Zielsetzungen für Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    11
1.3.4    Fazit    12
1.4    Stand der Forschung    12
1.4.1    Bestandsentwicklung von Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    13
1.4.2    Demographische Alterung in Wohnungsbeständen der 1950/60er Jahre    14
1.4.3    Theorien zum Wandel von Quartieren    15
1.4.4    Wohnungsmarktbeobachtung von Gebäudetypen    16
1.4.5    Fazit    16
1.5    Forschungsinteresse    17
1.6    Aufbau der Arbeit    20

2    Theoretischer Hintergrund    21
2.1    Theorien zur Veränderung von Wohnungsbeständen    21
2.1.1    Einordnung der Erklärungsansätze    21
2.1.2    Sozialökologischer Ansatz: Phasenmodelle    22
2.1.3    Stadtökonomischer Ansatz: Ungleichverteilung    25
2.1.4    Erkenntnisse aus den übergeordneten Theorien    27
2.2    Bauliche Erneuerungen von Zeilenbauten    28
2.2.1    Bauliche Erneuerung und Erneuerungszyklen    28
2.2.2    Gefangenendilemma bei baulicher Erneuerung    29
2.2.3    Erkenntnisse zu baulichen Erneuerungen    30
2.3    Demographische Veränderungen der Bewohnerschaft    31
2.3.1    Demographischer Wandel und Ausdifferenzierung    31
2.3.2    Selektive Zu- und Wegzüge    35
2.3.3    Erkenntnisse zu demographischen Veränderungen    37
2.4    Bedeutung der Eigentümerschaft    38
2.4.1    Veränderung der Eigentümerstruktur    38
2.4.2    Unterscheidung und Definition von Eigentümertypen    39
2.4.3    Erkenntnisse zur Eigentümerschaft    42
2.5    Bedeutung der Lage    42
2.5.1    Einfluss der Lage    42
2.5.2    Unterscheidung und Definition der Lage    44
2.5.3    Erkenntnisse zur Lage    45
2.6    Einflussmöglichkeiten auf die Veränderungen von Zeilenbauten    46
2.6.1    Handlungsbedarf für Zeilenbauten der 1950/60er Jahre    46
2.6.2    Stadtpolitik und Wohnungspolitik    47
2.6.3    Finanzielle Anreize    49
2.6.4    Erkenntnisse zu den Einflussmöglichkeiten    51
2.7    Arbeitshypothesen und Forschungsfragen    51
2.7.1    Strukturmodell und Arbeitshypothesen    52
2.7.2    Forschungsleitende Fragen    53

3    Methodologie    55
3.1    Fallauswahl und methodisches Vorgehen    55
3.1.1    Fallauswahl und Übertragbarkeit    55
3.1.2    Sequentielles quantitativ-qualitatives Vorgehen    59
3.2    Quantitative Analyse von Veränderungen und Einflussfaktoren    60
3.2.1    Analyse der stadträumlichen Lage    60
3.2.2    Analyse der baulichen Erneuerungen    64
3.2.3    Analyse der demographischen Veränderungen    65
3.2.4    Analyse der Eigentümerschaft    69
3.2.5    Prüfung der Einflussfaktoren    70
3.3    Vertiefende Fallstudien    71
3.3.1    Fallauswahl    71
3.3.2    Qualitative Fallanalysen    73
3.3.3    Experteninterviews    74
3.3.4    Querschnittsanalyse und Zusammenführung    76
3.4    Zusammenfassung    77

4    Zeilenbauten der 1950/60er Jahre in Hannover    79
4.1    Heutige Entwicklung Hannovers    79
4.1.1    Hannover im Großstädtevergleich    79
4.1.2    Wohnungsmarktentwicklung    80
4.1.3    Strategische Stadterneuerung    82
4.2    Wohnungs- und Städtebau in den 1950/60er Jahren    85
4.2.1    Wiederaufbauplanung unter Stadtbaurat Hillebrecht    85
4.2.2    Städtebauliche Leitgedanken    87
4.2.3    Die Bauaustellung Constructa    89
4.2.4    Der Gebäudetyp „Zeilenbauten“    94
4.2.5    Stadträumliche Lagen von Zeilenbauten    98
4.2.6    Fünf Quartierstypen mit Zeilenbauten    110
4.2.7    Zusammenfassung    114
4.3    Bauliche Erneuerungen von Zeilenbauten    115
4.3.1    Zustand der Gebäudehüllen    115
4.3.2    Denkmalpflege und Zeilenbauten    117
4.3.3    Zusammenfassung    117
4.4    Demographische Veränderungen der Bewohnerschaft    118
4.4.1    Demographische Entwicklung in Hannover und in Zeilenbauten    118
4.4.2    Drei typische demographische Profile    120
4.4.3    Demographische Ausdifferenzierung der Bewohnerschaft    125
4.4.4    Zusammenfassung    126
4.5    Eigentümerschaft von Zeilenbauten    127
4.5.1    Bauherren und Eigentümer von Zeilenbauten    127
4.5.2    Verkäufe von Zeilenbauten    131
4.5.3    Zusammenfassung    132
4.6    Zusammenführung    132

5    Vertiefende Fallstudien    139
5.1    Mittelfeld – Nord    141
5.1.1    Kontext und Rahmenbedingungen    141
5.1.2    Bauliche Erneuerung    144
5.1.3    Demographische Veränderungen    145
5.1.4    Zusammenfassung    147
5.2    Hainholz – Bömelburgviertel    149
5.2.1    Kontext und Rahmenbedingungen    149
5.2.2    Bauliche Erneuerung    152
5.2.3    Demographische Veränderungen    153
5.2.4    Zusammenfassung    155
5.3    Vahrenwald – Nord    157
5.3.1    Kontext und Rahmenbedingungen    157
5.3.2    Bauliche Erneuerung    159
5.3.3    Demographische Veränderungen    160
5.3.4    Zusammenfassung    161
5.4    Misburg – Kurt-Schumacher-Ring    163
5.4.1    Kontext und Rahmenbedingungen    163
5.4.2    Bauliche Erneuerung    166
5.4.3    Demographische Veränderungen    167
5.4.4    Zusammenfassung    168
5.5    Leinhausen – Bundesbahnsiedlung    168
5.5.1    Kontext und Rahmenbedingungen    168
5.5.2    Bauliche Erneuerung    174
5.5.3    Demographische Veränderungen    174
5.5.4    Zusammenfassung    176
5.6    Ausblick    177

6    Querschnittsanalyse und Zusammenführung    179
6.1    Bedeutung der Eigentümerschaft    179
6.1.1    Unternehmensprofil und Unternehmensziele    179
6.1.2    Erneuerungsstrategien    182
6.1.3    Bewohnerstrategien    190
6.1.4    Finanzielle Anreize und deren Akzeptanz    196
6.1.5    Mieten, Mietobergrenzen und Mieterhöhungen    200
6.1.6    Fazit zur Bedeutung der Eigentümerschaft    202
6.2    Bedeutung der Lage    204
6.2.1    Stadträumliche Lage/Quartierstypen    204
6.2.2    Sozialstruktur im Wohnumfeld    205
6.2.3    Baulicher Zustand im Wohnumfeld    209
6.2.4    Wohnungsgrößen    210
6.2.5    Fazit zur Bedeutung der Lage    212
6.3    Zusammenführung der quantitativen und qualitativen Ergebnisse    212
6.3.1    Einfluss baulicher Erneuerung auf demographische Entwicklungen    212
6.3.2    Demographische Ausdifferenzierung der Bewohnerschaft    214
6.3.3    Eigentümerspezifische Entwicklungen von Zeilenbauten    216
6.4    Handlungsbedarf und Einflussmöglichkeiten    219
6.4.1    Drei Entwicklungstypen    219
6.4.2    Wichtige Handlungsfelder und Einflussmöglichkeiten    223
6.4.3    Fazit zu den Einflussmöglichkeiten auf Veränderungen    237

7    Diskussion und Schlussfolgerungen    239
7.1    Diskussion der Ergebnisse aus der Stadt Hannover    239
7.1.1    Erkenntnisse zu baulichen Erneuerungen und demographischen Veränderungen    239
7.1.2    Zeilenbauten als Baustein einer sozial orientierten Stadtentwicklung    241
7.2    Wissenschaftlicher Beitrag und weiterer Forschungsbedarf    242
7.2.1    Theoretischer Beitrag    242
7.2.2    Methodischer Beitrag    243
7.2.3    Weiterer Forschungsbedarf    244
7.3    Zusammenfassung und Ausblick    246
Anhang    249
Experteninterviews    250
Abkürzungsverzeichnis    251
Abbildungsverzeichnis    252
Tabellenverzeichnis    256
Literaturverzeichnis    258

 

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