Rhombos Online-Nachrichten (RON) - ISSN 1866-9735
Klimaforschung25.11.2004
Klimaforschung

Erforschung katastrophaler Auswirkungen von Klimaschwankungen vor Südamerika

Deutsche Meeresbiologen leiten internationales Projekt


Paracas/Bremerhaven. Unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven haben Wissenschaftler von 14 Instituten aus sechs Nationen in Paracas, Peru, auf einer Tagung vom 18. bis zum 24. Oktober das EU-Projekt Censor implementiert. Ziel des Projekts ist es, die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das küstennahe Ökosystem und die Fischerei im Humboldtstrom vor Südamerika zu analysieren. In dem interdisziplinären Projekt sind Institute aus Deutschland (neben dem Alfred-Wegener-Institut das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen und das GeoForschungszentrum in Potsdam), Frankreich und Spanien sowie Partner aus Chile, Peru und Argentinien beteiligt.

Wie das AWI Bremerhaven berichtet, steht Censor für ?Klimavariabilität und El Niño-Luftdruckoszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenresourcen und Management? (Climate variability and El Niño Southern Oscillation: Implications for natural coastal Resources and management). Das Phänomen der El Niño Luftdruckoszillation ist die stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung innerhalb einer Periode von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Über Nah- und Fernwirkungen hat dieses Phänomen einen großen Effekt auf das tropische und globale Wettergeschehen, auf marine und terrestrische Ökosysteme und auf ganze Volkswirtschaften.

Fischer vor SuedamerikaFischer vor Südamerika (Foto: AWI)

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kombination von Daten aus der Geschichte und aktuellen Ergebnissen soll als biologisches Vorhersageinstrument für El Niño genutzt werden, um die lokalen Fischer vor Südamerika frühzeitig vor den katastrophalen Auswirkungen zu warnen und den negativen Effekt zu mildern. Zudem sollen positive Auswirkungen auf marine Ressourcn in Zukunft besser genutzt und Alternativen zur herkömmlichen Fischerei entwickelt werden.

In dem Censor Projekt soll die vorhandene Information über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika zusammengetragen, in Datenbanken erfasst und der Wissenschaft, dem Fischereimanagement, politischen Entscheidungsträgern sowie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig sollen Arbeiten auf See und im Labor an verschiedenen Orten entlang der Pazifikküste durchgeführt werden.

Letztendlich, so das AWI, zielt das Projekt darauf ab, neue Managementstrukturen für die marinen Ressourcen eines Küstenökosystems zu entwickeln, das unter dem Einfluss häufiger und starker Klimaschwankung steht. In die zukünftigen Modelle sollen neben der Ökologie von Organismen und Umweltfaktoren auch sozioökonomische Parameter einfliessen. Das Projekt Censor hat am 1. Oktober 2004 begonnen und wird eine Laufzeit von vier Jahren haben.
 
 
Kontakt: Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, Dipl.-Ing. Margarete Pauls, Postfach 12 0161, D-27515 Bremerhaven, Tel. 0471.4831-0, eMail: mpauls@awi-bremerhaven.de, Internet: www.awi-bremerhaven.de.

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