Rhombos Online-Nachrichten (RON) - ISSN 1866-9735
Life Sciences04.08.2007
Life Sciences

Trojanereinsatz gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Stammzellen spielen eine Rolle beim Wachstum von Geschwülsten und könnten in modifizierter Form einen therapeutischen Ansatz bieten


München (04.08.2007). Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg konnten zeigen, dass Stammzellen am Wachstum von Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) beteiligt sind. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, wo man ansetzen könnte, um mesenchymale Stammzellen (MSC) mit therapeutischen Genen auszustatten und effizient in Tumoren und ihre Metastasen einzuschleusen. Allerdings sind vor einer sicheren klinischen Anwendung noch viele Fragen der Grundlagenforschung zu beantworten. Die bisherigen Daten dieses Projektes haben die Kooperationspartner im Juli auf dem 39. Kongress des Europäischen Pankreas Clubs in Newcastle, England, vorgestellt. Unter 500 anderen Projekten wurden sie mit dem ersten Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit gewürdigt, nicht zuletzt aufgrund der hohen klinischen Relevanz und des hohen Zukunftspotentials dieser Arbeit.


Stammzellen aus dem Knochenmark lassen sich außerhalb des Körpers vermehren und in undifferenzierte multipotente Vorläuferzellen umwandeln. Aufgrund dieser Eigenschaften der sogenannten mesenchymalen Stammzellen (MSC) erhoffen sich Forscher interessante Anwendungsmöglichkeiten für den klinischen Gebrauch. Wie Wissenschaftler aufzeigen konnten, wandern diese Stammzellen im Organismus offenbar dorthin, wo Auf- und Umbauprozesse stattfinden, etwa bei Verletzungen. Man vermutet, dass sie dann an der Neubildung von Knochen, Sehnen, Knorpel, Muskeln oder Fett beteiligt sind. Auch von chronischen Entzündungen werden diese Stammzellen angezogen und reparieren am Ort der Entzündung die Entzündungsschäden. Überdies haben Wissenschaftler beobachtet, dass die Stammzellen von wachsenden Tumoren angelockt werden. Die Ursachen hierfür sind nicht noch nicht aufgeklärt. Aber die seit langem bekannte Verbindung zwischen Krebs und einer chronischen Gewebeentzündung wie bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung könnte auf kontinuierlich ablaufenden Gewebereparatur-Prozessen des Körpers beruhen, die aus der Kontrolle geraten sind.

prof.fries16.jpgUniv.-Prof. Dr. Helmut Friess vom Klinikum rechts der Isar
(Foto: Technische Universität München)

Ärzte der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München um Professor Dr. Helmut Friess und Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg vermuten nun, dass diese Stammzellen auch im Zusammenhang mit dem Pankreaskarzinom eine wichtige Rolle spielen und sich sogar zur Therapie dieses äußert bösartigen Tumors eignen könnten. In einem Forschungsprojekt haben Privatdozent Dr. Peter Büchler, Chirurgischer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar, und Prof. Dr. Ingrid Herr vom Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen mit Kollegen herausgefunden, dass Stammzellen gezielt in Pankreaskarzinome einwandern und dort vermutlich am Wachstum der Tumoren beteiligt sind.
Bei den Analysen menschlicher Krebszellen stellte sich heraus, dass mesenchymale Stammzellen stark von Stoffen angezogen werden, die von bösartigen Geschwülsten abgegeben werden. Um den Mechanismus näher zu untersuchen, pflanzten die Krebsforscher Mäusen menschliche Pankreaskrebszellen in ihre Bauchspeicheldrüse und injizierten farbig markierte MSC in die Blutbahn. Die Folge: Die farbigen Stammzellen fanden sich in der Mehrzahl im Tumor wieder und waren dort offenbar auch in die Blutgefäße eingewandert.

Literatur:
Beckermann, B.; Kallifatidis, G.; Büchler, P.; Groth, A.; Apel, A.; Rausch, V.; Schubert, M.; Salnikov, A.; Friess, H; Herr, I.: Bone Marrow Derived Mesenchymal Stem Cells for the Therapy of Pancreatic Cancer. Grundlagenpapier, EPC Meeting 2007 (Gateshead Newcastle, UK), Submission No. 302. (Mit dem EPC-Preis ausgezeichnet als bestes Grundlagenpapier 2007), [Download Zusammenfassung PDF]

Schubert, M.; Beckermann, B.; Kallifatidis, G.; Groth, A.; Apel, A.; Khamidjanov, A.; Ryschich, E.; Wenger, T.; Wagner, W.; Diehlmann, A.; Saffrich, R.; Krause, U.; Eckstein, V.; Mattern, R.; Chai, M.; Schütz, G.; Ho, AD: Gebhard, MM; Büchler, MW; Friess, H.; Büchler, P.; Herr, I.: Improvement of lentiviral transduction of human mesenchymal stem cells for therapeutic intervention in cancer. (2007, zur Veröffentlichung eingereicht)

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. med. Helmut Friess, Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Klinikum rechts der Isar, Ismaninger Str. 22, D-81675 München, Tel. 089.4140?2121, Fax -4140 48 70, eMail: helmut.friess@chir.med.tu-muenchen.de, Internet: http://www.chir.med.tu-muenchen.de, http://dc3.chir.med.tu-muenchen.de/chir/content/index_ger.html.
Prof. Dr. rer. nat. Ingrid Herr, Deutsches Krebsforschungszentrum, Molekulare Uroonkologie, Im Neuenheimer Feld 280, D-69120 Heidelberg, Tel. 06221.42 33 66, Fax: -42 33 62, eMail: i.herr@dkfz.de, Internet: http://www.dkfz-heidelberg.de/
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Büchler, Klinikum rechts der Isar, Ismaningerstraße 22, D-81675 München, eMail: buechler@chir.med.tu-muenchen.de, Internet: http://www.med.tu-muenchen.de
Dr. med. Mario Schubert, Medizinische Universitätsklinik, Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie (Abt. V), Im Neuenheimer Feld 410, D-69120 Heidelberg, Tel. 06221.56 38081, Fax: -56 5813, eMail: Mario.Schubert@med.uni-heidelberg.de, Internet: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Medizinische-Klinik-Startseite.9805.0.html
Prof. Dr. Anthony D. Ho, Medizinische Universitätsklinik, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik V., Im Neuenheimer Feld 410, D-69120 Heidelberg, Tel. 06221.56 8000/8001, Fax: -56 5813, eMail: sekretariat.ho@med.uni-heidelberg.de, Internet: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-V-Haematologie-Onkologie-und-Rheumatologie.749.0.html
European Pancreatic Club (EPC), Newcastle, UK, Internet: http://www.e-p-c.org/, Kontakt: Univ.-Prof. Dr. med. Markus M. Lerch, Universitätsklinikum Greifswald, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A, Abteilung Gastroenterologie, Endokrinologie und Ernährungsmedizin, Friedrich-Loeffler-Str. 23a, Tel. 03834. 86 72 30, Fax: -86 72 34, eMail: lerch@uni-greifswald.de, Internet:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de/patienteninfo/kliniken/inna/gastro/index.html

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