2008. 2. Auflage. DIN A5. Broschur. 187 Seiten. Mit sechs Farbtafeln. Preis: 19,95 Euro. ISBN 978-3-938807-87-3. RHOMBOS-VERLAG, Berlin.
Dieses Buch ist ein Jahrtausende umspannendes faszinierendes Kompendium, welches auf der Basis gesicherter Erkenntnisse der Archäologie sowie der mit ihr kooperierenden Wissenschaften einen zusammenfassenden und überschaubaren Überblick über die frühesten hochentwickelten Zivilisationen der Menschheitsgeschichte entwirft - von der Eiszeit bis zu den klassischen Alten Hochkulturen. Dabei werden Erkenntnisse von großem Neuheitswert thematisiert.
So wird im ersten Teil belegt, dass es bereits Jahrtausende vor den klassischen Alten Hochkulturen hochzivilisierte Kulturen sowie hieroglyphische Schriftzeichen gab. Folglich liegt ein erster inhaltlicher Schwerpunkt in der Beschreibung dieser weitgehend noch unbekannten, meist versunkenen eiszeitlichen Kulturen.
Mythen und Legenden um das sagenhafte Atlantis, die biblische Sintflut, den Garten Eden sowie um "riesen"hafte Populationen werden auf eine reale Ebene gehoben und ziehen den Leser einmal mehr in ihren Bann.
Im Hinblick auf die klassischen Alten Hochkulturen, die hier nur selektiv behandelt werden, erfährt das oft vernachlässigte frühgeschichtliche Alteuropa die ihm gebührende Einordnung. Des Weiteren werden insbesondere vergleichbare Entwicklungen sowie der Kulturaustausch hervorgehoben.
1. Anliegen und Ziele 7
2. Hauptursachen und -merkmale der letzten Eiszeit
– ein Überblick 11
3. Zeugnisse menschlicher Zivilisationen vor
dem Ende der letzten Eiszeit 13
3.1 Eine präjapanische Unterwasserstadt des Urvolkes
der Jomon 13
3.2 Zwillingsstädte im indischen Golf von Cambey 17
3.3 Kultstätten vor der Küste Maltas 18
4. Das Ende der letzten Eiszeit – Folgen in Natur
und Zivilisation 21
4.1 Der Carolina-Komet und sein Fortleben im Mythos 21
4.2 Atlantis – Mythos und Wirklichkeit 25
4.3 Die „neolithische Revolution“ in Mesopotamien,
Kanaan und Anatolien 31
4.4 Älteste Zivilisationen in Kanaan und Anatolien 34
4.4.1 Kanaan / Palästina: Jericho, Teleilat Ghassul, Beidha,
Jordantal und Ba’ja 34
4.4.2 Anatolien: Göbekli Tepe und Catal Hüyük 37
4.5 Das Entstehen des Schwarzen Meeres 41
4.5.1 Natürliche Ursachen und Zeitraum der Entstehung
des Schwarzen Meeres 41
4.5.2 Möglicher Verlauf der Entstehung des Schwarzen Meeres 42
4.6 Der Garten Eden und die Sintflut 43
4.6.1 Die Ortung des biblischen Gartens Eden und
seine religiöse Bedeutung 43
4.6.2 Die biblische Sintflut – das Ende für den Garten Eden 46
4.6.3 Sintflutmythen Mesopotamiens, deren historische
Hintergründe sowie literarische Zeugnisse 48
4.7 Die Hüter und die Vogelmenschen 52
5. Alteuropa – die Bedeutung der Vinca-Kultur für
spätere Hochkulturen 59
5.1 Merkmale von Hochkulturen 59
5.2 Die weltweit erste Hochkultur in Alteuropa 64
6. Das Aufblühen von Hochkulturen weltweit – ein Abriss 73
6.1 Mesopotamien 74
6.1.1 Die Abfolge der Stadtstaaten bzw. Territorialstaaten
und deren kulturelle Schöpfungen im Überblick 75
6.1.2 Einblicke in das künstlerische Schaffen Mesopotamiens –
ein Streifzug durch Architektur und Reliefkunst 93
6.2 Ägypten 106
6.2.1 Geographische und klimatische Besonderheiten
des Landes 107
6.2.2 Kurzer Streifzug durch die Vorgeschichte des Landes 108
6.2.3 Die Reiche und Dynastien sowie deren bedeutendste
Errungenschaften – ein Überblick 109
6.2.4 Götter, Tempel, Hieroglyphen – Mythos und Wirklichkeit 128
6.2.5 Der Pyramidenkomplex und die Sphinx von Giseh –
Zeugnisse der astronomischen und technologischen
Leistungen sowie der religiösen Fundamente der Erstzeit 142
6.2.6 Im Schatten von Mose – Dem Auszug der Israeliten
aus Ägypten auf der Spur 153
6.3 Die Minoische Kultur auf Kreta 164
6.3.1 Historischer Überblick 164
6.3.2 Der Mythos um König Minos, den Minotaurus
und sein Labyrinth 167
6.3.3 Der Palast von Knossos – Spiegelbild einer Hochkultur:
Funktionale Bedeutung, Architektur und Malerei des
Palastes im Überblick 170
7. Zeittafel 175
8. Bibliographie 179
9. Anmerkungen 181
10. Bildnachweis 187
Als Andreas Köhler noch als Gymnasiallehrer aktiv war,
setzte er sich hin und schrieb einen Lehrplan, der die Wissensvermittlung über
die alten Hochkulturen beinhaltete. Doch dabei beließ es der Leipziger nicht,
sondern bot zu dem Themenkreis einen fakultativen Wahlgrundkurs an, der bei den
Gymnasiasten der elften und zwölften Klasse gehörig Resonanz fand. Nun, als
Ruheständler, hat sich Köhler wieder hingesetzt und geschrieben ein Buch über
die Meilensteine der Kulturgeschichte. Zwei Jahre Arbeit stecken in dem Band
„Von Atlantis bis Minos und Mose". Herausgekommen ist ein Kompendium, das
durch fundierte Recherche, fachliche Präzision und spannende Interpretation von
aktuellen Forschungsbefunden besticht. Autor Köhler, der einst Germanistik,
Musikwissenschaft, Philosophie und Psychologie studierte, outet sich als
profunder Kenner der Vor- und Frühgeschichte, durchpflügt die Jahrtausende in
souveräner Manier, als sei er dabei gewesen in den Zeiten der neolithischen
Revolution, der minoischen Kultur, der antiken Weltwunder, der Sintflut oder
dem Atlantis-Untergang.
Während gemeinhin die Entstehung von Hochkulturen im 4.
Jahrtausend vor Christus angesetzt und mit Mesopotamien und Ägypten verknüpft
wird, holt Köhler viel weiter aus. Schon während der letzten Eiszeit, so sein
Credo, ging es zivilisatorisch hoch her - vor allem auf Malta, das damals noch
ans europäische Festland andockte. Mächtige Megalith-Tempel müssen dort als
Kultstätten gedient haben, ehe sie am Ende der frostigen Ära in Neptuns Reich
versanken. Ein Schicksal, das auch dem märchenhaften Atlantis widerfuhr, dem
Köhler auf sieben Seiten nachspürt. Was ist Mythos, was geschah wirklich? Als
Urquelle der Debatte gelten die heiligen Protokolle aus dem Tempel der Neith
von Sais, die nahelegen, dass das Inselreich um das Jahr 8570 vor Christus von
der Landkarte verschwand. Köhler neigt in seiner Publikation einer These zu,
die bisher eher als Nebenader im Mainstream der Erklärungsversuche daherkam,
und schlägt sich auf die Seite des Briten Andrew Collins. Dieser ist davon
überzeugt, dass Atlantis einst im Dunstkreis des heutigen Kuba existierte.
Hinweggefegt wurde es durch Tsunamis, die vom Einschlag des so genannten
Carolina-Kometen herrührten.
Immer wird der Leser auf den wissenschaftlichen Diskurs
mitgenommen, Köhler lässt verschiedene Deutungen Revue passieren, ehe er sein
Urteil fällt. Im Falle der biblischen Sintflut redet er letztlich nicht der
gängigen These das Wort, wonach sie mit der Geburt des Schwarzen Meeres um 6700
vor Christus in engem zeitlichem Zusammenhang steht. Die Katastrophe, von der
im Alten Testament - mit vielen Metaphern - Zeugnis abgelegt wird, verortet
Köhler in Mesopotamien um 4500 vor Christus. Der Persische Golf geriet damals
außer Rand und Band und flutete die paradiesische Landschaft, den Garten Eden,
der bei den Sumerern Adana hieß und von dem der altbabylonische Gilgamesch-Epos
berichtet.
Es ist das Abklopfen von Sagen und Legenden auf ihren
rationalen Kern, das Köhler vorbildlich betreibt. Entblöst von allem Gespinst,
erscheint so der legendäre König Minos von Knossos als Phantasieprodukt, denn
Minos steht wörtlich nicht für eine Person, sondern für das altkretische
Machtzentrum schlechthin. (Autor: Mario Beck