Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
27.09.2015
Kategorie: Life Sciences

Neue Dresdner Therapie-Leitlinie zur akuten Leukämie (AL)

Eine fachgerechte Behandlung kann unmittelbare Lebensgefahr abwenden

Dresden. Mediziner vom Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus haben in einer neuen Therapie-Leitlinie die Erkenntnisse aus der Literatur, eigenen Forschungen und aus jahrzehntelanger klinischer Erfahrung bei der Behandlung von Leukämie gebündelt. Mit Hilfe dieser präzisen und umfassenden Anleitung ist es möglich, die akute Lebensgefahr vom Leukämiepatienten abzuwenden und ein Zeitfenster für die langfristige Heilung der Erkrankung zu öffnen. Die Behandlungsanweisungen wurden im März 2015 in der Fachzeitschrift für Blutkrankheiten „Blood“ publiziert.

Bei manchen Patienten, die an Leukämie erkrankt sind, vermehren sich die weißen Blutzellen (Leukozyten) im peripheren Blut (Leukozytose) übermäßig auf mehr als 100.000 Zellen je Mikroliter. Diese als Hyperleukozytose (HL) bezeichnete gefährliche Blutkrebsvariante betrifft 5 bis 20 Prozent der Erwachsenen mit akuter myeloischer Leukämie (AML) und 10 bis 30 Prozent der Erwachsenen mit  der akuten lymphatischen Leukämie (ALL). Besonders häufig sind Kinder betroffen.

Nicht jedoch der hohe Blutwert an sich, sondern Komplikationen wie Leukostase (klinisches Bild: Mikrozirkulationsstörungen), Tumorlyse-Syndrom (klinisches Bild: Stoffwechselentgleisung) und Disseminierte intravasale Koagulopathie (klinisches Bild: Blutungsneigung) stellen für den Patienten ein Risiko dar und erfordern ein therapeutisches Einschreiten.
Bei unbehandelter akuter myeloischer Leukämie (AML) zeigen 5 bis 20 Prozent der Patienten das Krankheitsbild einer Hyperleukozytose (HL). Bei einem Patienten mit HL sollten anstelle von AML jedoch auch andere Grunderkrankungen als Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden, etwa akute lymphatische Leukämie (ALL), chronische lymphatische Leukämie und chronische myeloische Leukämie (CML), vor allem in der Akzelerationsphase oder in der sogenannten Blastenkrise (Ausschwemmung von massenhaft unreifen Blutzellen aus dem Knochenmark).
Bei akuten Leukämien besteht ein höheres Komplikationsrisiko als bei chronischen Leukämien. insbesondere Leukostase tritt aus bestimmten Gründen häufiger bei akuter myeloischer Leukämie (AML) auf. Nur bei einem kleineren Teil der AML-Patienten ist eine Hyperleukozytose vorhanden; aber diese Patienten haben eine besonders schlechte Prognose: Aufgrund der Komplikationen, die von einer Hyperleukozytose ausgehen können, besteht ein höheres Risiko für einen frühen Tod. Zudem besteht eine höhere Rückfallwahrscheinlichkeit und damit Sterblichkeit.

Entsprechende Indikatoren wie anfänglich hohe Blutwerte und eine hohe Konzentration von Laktat-Dehydrogenase (LDH) müssen bei einer Früherkennung beziehungsweise Erstdiagnose in Betracht gezogen werden und erfordern einen therapeutischen Eingriff. Ein hämatologischer Notfall erfordert deshalb grundsätzlich ein rasches Handeln des einweisenden Arztes, um einen frühzeitigen Tod verhindern zu können.

Die gute Nachricht: Die Hyperleukozytose kann durch den schnellen Einsatz der richtigen Chemotherapie, durch Blutverdünnung mit Infusionen und durch eine spezielle Blutwäsche (Apherese) innerhalb von Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Dies beschreiben Professor Gerhard Ehninger, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sowie Leiter des Universitäts KrebsCentrums, und Privatdozent Christoph Röllig, Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie, in ihrem Aufsatz in der Fachzeitschrift Blood.
Die Medizinische Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums der TU Dresden gehört seit Mitte der 90er Jahre zu einem der weltweit führenden Zentren für die Behandlung von Krebserkrankungen und Leukämien sowie für Stammzelltransplantation. Mehrere Spezialambulanzen und hochmoderne Therapiestationen und Laboratorien stehen Patienten für eine optimale Therapie zur Verfügung. Die Spezialisten arbeiten in enger Kooperation mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, denen sie beratend zur Seite stehen.

 

Professor Dr. med. Gerhard Ehninger (Foto: Uniklinikum Dresden)



PD Dr. Christoph Röllig (Foto: Franziska Pilz)

Professor Gerhard Ehninger forscht und behandelt seit 1994 am Universitätsklinikum in Dresden mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hämatologie, Onkologie, Pneumologie und Infektiologie. Ehninger war 1991 Gründungsgesellschafter der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS). Seit mehreren  Jahren arbeiten er und ein Team von Medizinern an der weltweit größten Krebs-Datenbank „Onkopedia" (https://www.onkopedia.com/de/), die sich ausschließlich auf wissenschaftlich verifizierte Informationen stützt. Das Portal hält online frei zugänglich eine Vielzahl an Therapieempfehlungen für Menschen mit Krebserkrankungen vor. Die Datenbank staffelt sich in ein Angebot für Fachärzte, für Mitarbeiter im Pflegebereich und für Patienten ohne wissenschaftliche Vorbildung. Die Inhalte sind hierbei dieselben, allerdings sind sie sprachlich an die jeweilige Zielgruppe angepasst. Onkopedia hat in kurzer Zeit immens an Popularität gewonnen. Die monatlichen Zugriffe Auf die Datenbank gehen in die Millionen bei mehreren zehntausenden aktiven Nutzern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Angebot ist mittlerweile auch ins Englische übersetzt worden. Alle Inhalte gründen sich auf aktuellsten Therapieerfahrungen und werden regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.
(Quelle: Konrad Kästner, UKD)

Informationen:

Röllig, C.; Ehninger, G.: How I treat hyperleukocytosis in acute myeloid leukemia. In: Blood. 2015 Mar 16. pii: blood-2014-10-551507, DOI: http://dx.doi.org/10.1182/blood-2014-10-551507, Internet: http://www.bloodjournal.org/content/125/21/3246?sso-checked=true, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25778528

Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Professor Dr. med. Gerhard Ehninger,
Direktor und Facharzt für Innere Medizin
Hämatologie/internistische Onkologie
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
Telefon:0351 4584190
eMail: Gerhard.Ehninger@uniklinikum-dresden.de
Internet: http://www.mk1dd.de, http://www.krebscentrum.de/

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik I
PD Dr. med. Christoph Röllig
Oberarzt, Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
Tel. (0351) 458-3775
eMail: christoph.roellig@uniklinikum-dresden.de
Internet: www.uniklinikum-dresden.de/mk1