Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
14.10.2011
Kategorie: Life Sciences

Neue Ansätze in der Stammzellenforschung

Amerikanische Forscher nutzen Methoden aus der Klon-Technologie

New York, USA (5.10.2011) Eine Wissenschaftlergruppe, angeführt von Dr. Dieter Egli und Scott Noggle, hat an der The New York Stemm Cell Foundation (NYSCF) einen Durchbruch bei der Entwicklung einer personalisierten Stammzelltherapie erreicht. Im Fachmagazin Nature (online  5.10.2011) berichten die Forscher, dass es ihnen erstmals gelungen ist, Stammzellen  zu bilden, die individuell vom Patienten abgeleitet sind. Die Behandlung mit patientenspezifischen Stammzellen gilt als Hoffnungsträger bei Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und Diabetes.
Wie die Forscher mitteilen, gelang der entscheidende Fortschritt unter Zuhilfenahme eines Verfahrens aus der Klonforschung, dem Zellkerntransfer (somatic cell nuclear transfer, SCNT). Dabei wird aus einer Eizelle der Zellkern entfernt und durch den Kern einer Spenderzelle ersetzt. Anschließend regt ein elektrischer Impuls die beiden Komponenten zur Verschmelzung an. Egli und sein Team modifizierten den Prozeß, da sie mit dem traditionellen Verfahren keinen Erfolg hatten. Statt die unbefruchtete Spendereizelle zu entkernen, fügten sie den Kern einer Hautzelle eines Erwachsenen hinzu, der an Typ-1-Diabetes erkrankt ist. Die so entstandene Eizelle begann, sich zu teilen und erreichte das Stadium einer Blastozyste, die 80 bis 100 Zellen umfaßt. Die aus der Blastozyste entnommenen Stammzellen konnten genetisch eindeutig dem Hautzellenspender zugeordnet werden. Damit ist es gelungen, hochspezialisierte Körperzellen in einen pluripotenten Zustand zurückzuversetzen, aus dem sie zu jedem Zelltyp differenzieren können.
Das langfristige Ziel der Wissenschaftler ist es, mit Hilfe körpereigener Zellen, personalisierte Stammzellen zu kreieren, die sich in verschiedene Gewebe weiterentwickeln können und beim Patienten kranke oder verletzte Zellen ersetzen. Durch die genetische Übereinstimmung wäre eine Immunverträglichkeit gewährleistet, das heißt, Abstoßungsreaktionen werden vermieden.  
Bislang steht der therapeutischen Anwendung des Verfahrens jedoch ein Problem im Weg: Da der Zellkern der Eizelle nicht entfernt wird, bevor der Kern der Körperzelle hinzukommt, entsteht eine Zelle mit einem dreifachen, also fehlerhaften, Chromosomensatz. Dieser Defekt wird bei jeder Zellteilung weitergegeben. Zukünftige Arbeiten der Forschungsgruppe werden sich darauf konzentrieren, welche Rolle die Erbinformationen der Spendereizelle spielen, um irgendwann auch Stammzellen zu kreieren, die nur noch die DNA des Patienten enthalten.  
(mh)

Originalveröffentlichung: Noggle, S.; Fung, H.; Egli, D. et al.: Human oocytes reprogram somatic cells to a pluripotent state, Nature (2011), Advance Online Publication, 05.10.2011

Kontakt: Dr. Dieter Egli, Mail: Info@NYSCF.org; The New York Stem Cell Foundation, 163 Amsterdam Avenue, Box 309 New York, NY 10023, USA; Internet: http://nyscf.org/