Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
24.04.2016
Kategorie: Life Sciences

Lungenkrebstherapie auf den Einzelfall abgestimmt

Alternative Behandlungsformen können die gleichen Heilungsaussichten wie Standardverfahren haben

Essen. Wer an einem lokal-fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungentumor leidet, muss nicht zwangsläufig mit dem belastenden Standardverfahren therapiert werden. Alternative Behandlungsformen können im Einzelfall die gleichen Heilungsaussichten haben. Dies weist eine Langzeitstudie nach, an der Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) und an der Ruhrlandklinik (Westdeutsches Lungenzentrum) maßgeblich beteiligt waren. Die Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht.

Die Frage für die deutsch-niederländischen Studie (ESPATÜ) lautete, welche Therapie hilft, wenn der Lungenkrebs bereits weit fortgeschritten ist, aber noch nicht gestreut hat. Zur Auswahl standen die bisherige Standardbehandlung - eine besonders hoch dosierte Chemo- und Strahlentherapie ohne Folge-Operation - und die manchmal schonendere Alternative - eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie mit Anschluss-OP. Unter der Leitung von Dr. Wilfried Eberhardt und Prof. Dr. Martin Stuschke (beide UK Essen) und Prof. Georgios Stamatis (Ruhrlandklinik) wurden die beiden Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen.

Als Ergebnis stellte sich demnach heraus, dass man mit beiden Verfahren eine gut 40-prozentige Heilungsrate erzielen kann. Professor Martin Stuschke: „Erfreulich war für uns, dass beide Therapieformen gleich erfolgreich waren und die hohe Heilungsrate bei so weit fortgeschrittenem Lungenkrebs. Diese Ergebnisse gehören zu den günstigsten Langzeitdaten, die bisher überhaupt erzielt werden konnten.“

Dank der neuen Erkenntnisse erweitern sich die Behandlungsoptionen für den einzelnen Patienten entscheidend. „Wir wissen jetzt, dass man die Therapieentscheidungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit treffen sollte, je nach individueller Risikokonstellation eines Patienten“, erläutert Dr. Eberhardt. Er war bereits an mehreren klinischen Therapiestudien und Studienprojekten führend beteiligt.

Aktuell versuchen die Forscher, die strahlentherapeutische Komponente innerhalb dieses bewährten Behandlungsprotokolls durch innovative Techniken weiter zu verbessern. Außerdem sollen die Studienergebnisse weiter ausdifferenziert werden. Dies wird in der Folgestudie NEOAHA I erfolgen. (Quelle: PM Universität Duisburg-Essen)

Literatur:
Eberhardt, Wilfried Ernst Erich et al.: Phase III Study of Surgery Versus Definitive Concurrent Chemoradiotherapy Boost in Patients With Resectable Stage IIIA(N2) and Selected IIIB Non–Small-Cell Lung Cancer After Induction Chemotherapy and Concurrent Chemoradiotherapy (ESPATUE). Published online before print November 2, 2015, doi: 10.1200/JCO.2015.62.6812
Internet: http://jco.ascopubs.org/content/early/2015/10/26/JCO.2015.62.6812.abstract

Kontakt:
Dr. med. Wilfried E.E. Eberhardt
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie
Universitätsklinikum Essen (AöR), Hufelandstraße 55, D-45147 Essen
Internet: http://www.uk-essen.de/index.php?id=1401