Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
15.11.2011
Kategorie: Technik

Licht im Dunkel

Fahrerassistenzsystem warnt vor Kollisionsgefahren

Karlsruhe, 15.11.2011 Häufige Niederschläge, Nebel und die früh einsetzende Dunkelheit erhöhen während der Wintermonate das Unfallrisiko im Straßenverkehr. Ein neu entwickeltes Fahrerassistenzsystem soll dem entgegenwirken, indem es Autofahrer auf mögliche Gefahren  hinweist. Das System markiert dazu vom Auto aus Tiere und Menschen am Straßenrand mit Licht und macht sie so für den Fahrer eher sichtbar. Entwickelt wurde die technische Neuheit von Marko Hörter am Karlsruher Institut für Technologie KIT.
„Gerade bei Fahrten in der Dämmerung steigt die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall mit einem Fußgänger, Radfahrer oder Wild verwickelt zu werden, exponentiell.“ sagt Marko Hörter und weist darauf hin, dass bestehende Fahrerassistenzsysteme, die mit Infrarotkameras arbeiten den Fahrer eher ablenken. Denn dieser müsse die Bilder der Infrarotkamera auf einem Display selbst anschauen, was im Notfall wertvolle Reaktionszeit kosten könne.
Marko Hörter hat sein System deshalb entscheidend weiterentwickelt: Ein komplexes mechatronisches System übernimmt vollautomatisch die Bildanalyse. Bei Bedarf leuchtet es potenzielle Gefahren am Straßenrand kurz aus. Dazu setzt es einen präzisen Lichtspot mit besonders hellen LED-Lampen. So wird der Fahrer aufmerksam, ohne die Augen von der Fahrbahn nehmen zu müssen.

Das Assistenzsystem markiert Personen

Spot an: Das Assistenzsystem markiert Personen und Wild und warnt so vor möglichen Zusammenstößen ©Markus Breig


Dem Wissenschaftler zufolge können mit Hilfe des Fahrerassistenzsystems Gefahren im Schnitt 30 bis 40 Meter früher erkannt werden, was dem Fahrer bis zu drei Sekunden mehr Reaktionszeit verschafft. Dieses Ergebnis habe ein zweiwöchiger Praxistest mit 33 Probanden ergeben. Um die Wahrnehmungszeit und die daraus resultierende Erkennbarkeitsentfernung zu vergleichen, wurden Fahrer mit und ohne Fahrerassistenzsystem nachts auf einer Landstraße zur Probefahrt geschickt. Beheizbare Reh- und Personenfiguren am Straßenrand dienten als mögliche Kollisionsgefahren.
Wie bei anderen Systemen auch, erfasst eine Wärmebildkamera in der Motorhaube des Fahrzeugs mögliche lebende Hindernisse. Dann folgt jedoch die entscheidende und neue Auswertung durch einen Computer. Dessen Entwicklung habe vier Jahre in Anspruch genommen, Marko Hörter erläutert die lange Konstruktionszeit: „ Während der Fahrt muss eine riesige Datenmenge schnellstmöglich analysiert werden. Das umzusetzen, war eine der größten Schwierigkeiten.“
Nach Angaben des Forschers ist der Computer nun in Lage, in weniger als 40 Millisekunden jedes einzelne Bild der Infrarotkamera zu untersuchen und kann außerdem Personen und Tiere von anderen Objekten unterscheiden. Das System ermittelt zudem ihre reale 3-D-Position, Geschwindigkeit und Richtung und errechnet die Kollisionsgefahr. Nur wenn tatsächlich eine besteht, geht ein Signal an das Lichtsystem. Dort ermöglicht eine bewegliche Apparatur eine präzise und blendfreie Ausrichtung des Spots. Dieser markiert mit blinkendem, blau-weißem Licht gezielt die potenzielle Gefahr.
(mh)

Kontakt: Marko Hörter, Mail: hoerter@kit.edu, Institut für Mess- und Regelungstechnik MRT, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Campus Süd, Engler-Bunte-Ring 21, Geb. 40.32,    76131 Karlsruhe; Internet: http://www.mrt.kit.edu/