Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
07.12.2011
Kategorie: Klimaforschung

Grüne Vergangenheit

Arabische Wüste durchlief während der letzten 130.000 Jahre mehrere Phasen feuchten Klimas

Bern, 01.12.2011 Die arabische Wüste hat sich während der vergangenen 130.000 Jahre dreimal in eine Savanne mit zahlreichen Seen verwandelt. Im Laufe dieser Feuchtperioden konnte der moderne Mensch auch die arabische Halbinsel als Landbrücke für seine Ausbreitung nach Norden nutzen. Dies geht aus einer Studie von Berner Forschern hervor. Ein Artikel mit den Forschungsergebnissen ist in der Dezemberausgabe der Fachzeitschrift Geology erschienen.
Es ist zwar kaum vorstellbar, doch in der arabischen Wüste gab es zeitweise riesige Seen und eine üppige Vegetation. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler aus Bern, nachdem sie fossile Seesedimente und Stalagmiten untersucht haben. Demnach gab es drei humide Klimaphasen, die jeweils zwischen 4000 und 7000 Jahren dauerten. Nach Meinung der Forscher waren sie für die Ausbreitung des Homo sapiens von Afrika nach Europa und Asien von zentraler Bedeutung. Bislang ging man davon aus, dass die Ausbreitung des modernen Menschen nach Norden über das Nil-Tal und den mittleren Osten erfolgte. Dominik Fleitmann, einer der Autoren der Studie, hofft auf ein Umdenken: „ Die arabische Halbinsel wurde als Landbrücke für den modernen Menschen lange Zeit vernachlässigt, die Forschung konzentrierte sich auf Nordafrika und den nahen Osten. Dies wird sich durch unsere Forschungsergebnisse hoffentlich rasch ändern.“
Das Team von Geologen untersuchte das Alter von fossilen Seeablagerungen aus der arabischen Wüste mit Hilfe der sogenannten Lumineszenzdatierung. Dabei kann aus dem Photonenausstoß, der bei der Erhitzung von Quarz- oder Feldspatmineralen entsteht, abgeleitet werden, wie alt die Sedimente sind, aus denen die Minerale stammen. Aus der Altersbestimmung schlossen die Wissenschaftler, dass sich die Feuchtphasen vor etwa 125.000, 100.000 und 80.000 Jahren ereigneten. Die Niederschläge nahmen während dieser Zeiten stark zu und aus der Wüste entstand eine grüne Savannenlandschaft mit bis zu 30 Meter tiefen Seen.

Fossile Seeablagerungen

Fossile Seeablagerungen aus der Rub' al Khali Wüste im Südwesten Saudi Arabiens. Bild: Thomas Rosenberg


Steinwerkzeuge, die im Uferbereich von fossilen Seen gefunden und auf ein Alter von 100.000 bis 125.000 Jahre datiert wurden, lassen für Dominik Fleitmann nur einen Schluß zu: „ Alle Indizien sprechen dafür, dass der Homo sapiens diese Zeitfenster genutzt hat und Arabien für die Ausbreitung unserer Spezies eine zentrale Bedeutung zukommt.“
Die Forschungsergebnisse der Berner Wissenschaftler zeigen jedoch auch, dass der Weg durch das südliche Arabien nach den drei kurzen Episoden wieder versperrt wurde. So konnten in der Zeitspanne von vor 80.000 bis vor 10.500 Jahren keine signifikanten Niederschläge in dem Gebiet nachgewiesen werden. Es bildete sich eine ausgedehnte Wüste und somit eine für den modernen Menschen unüberwindbare geographische Barriere.
(mh)

Originalveröffentlichung: Rosenberg, T.M.; Preusser, F.; Fleitmann, D. et al: Humid periods in southern Arabia: Windows of opportunity for modern human dispersal. Geology (2011), Vol. 39, Issue 12
Kontakt: Thomas Rosenberg, Mail: thomas.rosenberg@geo.unibe.ch, Institut für Geologie, Universität Bern, Baltzerstrasse 1+3, CH-3012 Bern, Schweiz; Internet: http://www.earthsci.unibe.ch/quaternarygeology/quartaergeologie.htm
Dominik Fleitmann, Mail: fleitmann@geo.unibe.ch, Institut für Geologie und Oeschger-Zentrum für Klimaforschung, Universität Bern, Baltzerstrasse 1+3, CH-3012 Bern, Schweiz; Internet: http://www.earthsci.unibe.ch/snf/climate.htm