Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
23.04.2016
Kategorie: Life Sciences

Gesundheitsrisiken von Cannabis: Auch die Lunge ist gefährdet

Forscher diskutieren Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

Leipzig. Die gesundheitlichen Schäden und Effekte von Cannabis sind nicht ausreichend untersucht. Das geht aus einem aktuellen Positionspapier hervor, das die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften veröffentlicht hat. In Bezug auf die aktuelle Debatte um die Legalisierung der Droge fordern Lungenfachärzte, auch die Folgen für Lunge und Herz-Kreislauf-System zu berücksichtigen. Über die gesundheitlichen Aspekte von Marihuana und Haschisch berichteten Experten am 2. März 2016 auf der Eröffnungs-Pressekonferenz anlässlich des 57. Kongresses der DGP in Leipzig.

Schätzungsweise 600 000 Erwachsene in Deutschland konsumieren laut DGP Cannabis in schädlichen Mengen oder sind sogar abhängig. Der Cannabiskonsum in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen habe sich von 2011 bis 2014 von 2,8 auf 6,4 Prozent erhöht, die Verbreitung des regelmäßigen Konsums von 0,2 auf 1,5 Prozent. Professor Dr. med. Michael Kreuter vom Universitätsklinikum Heidelberg hält es in der aktuellen Legalisierungsdebatte für wichtig, die genauen gesundheitlichen Auswirkungen des Cannabiskonsums differenziert zu betrachten. „Konsumenten und Befürworter von Cannabis verharmlosen die gesundheitsschädlichen Effekte und verbreiten vermeintliche Fakten über die heilsame Wirkung der Droge, die wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind“, ergänzt DGP-Präsident Professor Dr. med. Berthold Jany.

Bisher sei nur wenig darüber bekannt, dass Cannabis die Gesundheit schädigt. Insbesondere was Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrifft, mehren sich Kreuter zufolge jedoch die Daten dazu. „Da die meisten Konsumenten auch normalen Tabak rauchen, ist zwar nicht ganz eindeutig festzustellen, welchen zusätzlichen Schaden Cannabis verursacht“, erklärt Kreuter im Vorfeld des DGP-Kongresses. „Gesichert ist jedoch, dass der inhalative Konsum von Cannabis zu einer chronischen Bronchitis führen kann. Unbehandelt kann diese in eine chronisch-obstruktive Form übergehen: Die Lunge verliert ihre Funktion, Sauerstoff aufzunehmen“, ergänzt er. Da Cannabis viele krebserregende Stoffe enthalte, hält der Experte auch einen Zusammenhang mit Lungenkrebs für wahrscheinlich.

Belegt sei zudem, dass langfristiger, regelmäßiger Konsum von Cannabis – insbesondere bei Heranwachsenden – das Risiko für körperliche und psychische Entwicklungsstörungen wie Schlafstörungen oder Psychosen erhöht. Die Datenlage zu einem möglichen therapeutischen Nutzen von Cannabis sei nur gering. „Hier fehlen insbesondere systematische, qualitativ hochwertige Untersuchungen, die eine positive Wirkung belegen“, sagte Kreuter. Das Positionspapier, an dem auch Suchtmediziner, Kardiologen und Kinder- und Jugendärzte mitgewirkt haben, kann bei der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin - DGAUM heruntergeladen werden. (Quelle: PM Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, AWMF)

Literatur:
M. Kreuter, D. Nowak, T. Rüther, E. Hoch, R. Thomasius, C. Vogelberg, M. Brockstedt, A. Hellmann, H. Gohlke, B. Jany, R. Loddenkemper: Cannabis. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP). Cannabis – Position Paper of the German Respiratory Society (DGP) in Cooperation with DGAUM, DGS, DG-Sucht, DGKPJ, DGKJ, GPP, BVKJ, BdP, DGK and Herzstiftung. DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-100040. In: Pneumologie 2016; 70: 87–97, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart • New York ISSN 0934-8387


Kontakt:
Prof. Dr. Michael Kreuter
Pneumologie und Beatmungsmedizin, Thoraxklinik Universitätsklinikum Heidelberg, Röntgenstr. 1, D-69126 Heidelberg
eMail: kreuter@uni-heidelberg.de, Internet: http://www.thoraxklinik-heidelberg.de/

Prof. Dr. Robert Loddenkemper
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
Robert-Koch-Platz 8, D-10115 Berlin
eMail: rloddenkemper@dgpberlin.de, Internet: http://www.pneumologie.de/