Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
12.12.2011
Kategorie: Life Sciences

Bergkettenreaktion

Relief des Meeresbodens beeinflusst Tsunamis

Pasadena, 05.12.2011 Der Tsunami, der Japan am 11. März 2011 traf, entstand aus zwei  Wellenfronten. Gebirgsrücken am Meeresboden führten zu einer Vereinigung der beiden Riesenwellen, was einen doppelt so starken Tsunami entstehen ließ. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler der NASA und Ohio State University nach der Auswertung von Satellitendaten. Die Untersuchungsergebnisse wurden auf dem diesjährigen Treffen der American Geophysical Union vorgestellt.
Schon seit mehreren Jahrzehnten vermuten Wissenschaftler, dass sich so genannte verschmolzene Tsunamis bilden können, die über eine besonders starke Zerstörungskraft verfügen. Die dafür angenommene Vereinigung von zwei Wellenfronten konnte bisher jedoch nie beobachtet werden.
„ Es war wie die Suche nach einem Geist.“ beschreibt Y. Tony Song, Wissenschaftler bei der NASA,  das Problem.
Als sich am 11. März 2011 vor der Nord-Ost-Küste Japans das Tohoku-Oki-Erdbeben ereignete und einen Tsunami auslöste, überflogen durch Zufall gleich drei Mess-Satelliten das Gebiet und lieferten Informationen. So wurden von allen drei Satelliten mit Hilfe eines an Bord befindlichen Radar-Höhenmessers Veränderungen des Meeresspiegels bis auf einige Zentimeter genau erfasst. Nach Angaben der Wissenschaftler ergab die Auswertung der Messdaten, dass sich nach dem Beben zunächst zwei einzelne Wellenfronten bildeten, die sich anschließend noch auf hoher See zu einer einzigen Welle vereinigten. Die Forscher sind der Meinung, dass dieser Vorgang durch unterseeische Grate und Bergketten ausgelöst wurde, die die zwei Wellen zusammengedrückt haben. Demnach hat die Topographie des Meeresbodens einen starken Einfluss auf die Größe und somit Energie eines Tsunamis. Vereinigen sich wie im Fall von Japan zwei Wellen, entsteht ein Tsunami, der auch weite Strecken ohne nennenswerten Energieverlust zurücklegen kann.
Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse genutzt werden können, um die Tsunami-Vorhersagen zu verbessern. So wurde in Risikokarten bisher nur die Form der Küste und das Relief des Meeresbodens in Küstennähe berücksichtigt, da schon länger bekannt ist, dass es die Richtung eines Tsunamis beeinflussen kann. So erklärt sich auch die oft zufällig wirkende Verteilung der Zerstörung: Während ein Küstengebiet stark betroffen ist, bleibt ein anderes fast völlig verschont. Y. Tony Song und seine Kollegen sind der Meinung, dass neue Vorhersagekarten auch die Topographie des küstenfernen Meeresgrunds berücksichtigen sollten, da sie die Entwicklung des Tsunamis entscheidend mitbestimmt.
„ Auf unseren Ergebnissen basierende Verfahren könnten Behörden dabei helfen vorherzusagen, ob die Wellenfronten eines Tsunami zu verschmelzen drohen oder nicht.“ erläutert Y. Tony Song und fügt hinzu: „ Das wiederum hilft, präzisere Karten für die Tsunamigefahr von Küstenregionen anzufertigen, um die Bevölkerung und Infrastruktur zu schützen.“
(mh)

Originalveröffentlichung: Pressemeldung NASA http://www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2011-374
Kontakt: Y. Tony Song, Jet Propulsion Laboratory, M/S 300-323, 4800 Oak Grove Drive, Pasadena, CA 91109, USA; Internet: http://www.jpl.nasa.gov/
C.K. Shum, Mail: ckshum@osu.edu,OSU School of Earth Science, Ohio State University, 125 S Oval Mall Columbus, OH 43210, USA; Internet: http://geodeticscience.org/